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Extremist ist, wer extrem ist?!

Der Blog sollte eigentlich witzig sein. Hab ich ne Zeit lang geschafft und es wird sicher auch mal wieder was zu lachen geben, aber momentan ist mir irgendwie nich so lustich trallala zumute. Mir stößt da was auf in letzter Zeit.

Als Antwort auf den Einheitsbericht der Bundesregierung, der wachsenden Rechtsextremismus im Osten als Gefahr darstellt, fällt den politischen Vorturnern erstmal nix besseres ein, über einseitige Thematisierung und Ostbashing zu jammern. Wie kann man sich als Opfer einseitiger Berichterstattung hinstellen, wo einem das Problem doch quasi ins Gesicht springt? Kein „ostdeutsches Problem“? Mag ja sein, dass auf Grund der dünnbesiedelten Landstriche die Quote rechter Gewalttaten vergleichsweise hoch ist im Gegensatz zum bevölkerungsreicheren Westen. Machts das besser? Ja wohl kaum. Im Gegenteil. Dass sich in der Walachei soviel Gesocks tummelt obwohl es kaum Fremde dort gibt, machts doch eher schlimmer. Solange das nicht eindeutig angesprochen und kritisiert wird, findet auch keine wirkliche Aufarbeitung und vernünftige Ursachenbekämpfung statt.

Ständig wird relativiert, das nervt so dermaßen. Als hätte es nie den NSU gegeben. Aber ist doch nicht alles schlecht hier, sagen die, die gerne die Augen verschließen würden. Nein, nicht alles, aber die schiere Menge rassistischer Asozialer schon. Kann man ruhig mal konstatieren. Gibt auch viele Seen in Brandenburg. Und viel Wald in Sachsen. Und eben viele Nazis. Die gerne mal was anzünden oder zuschlagen. Punkt.

Und hat Herr de Maiziére nicht auch was von linker Gewalt gefaselt, um völlig unnötig vom eigentlichen Problem abzulenken? Das wird ja ganz gerne mal gemacht. Noch eine Strategie der Relativierung. Und obendrauf, zur weiteren Relativierung der Relativierung, der Hinweis, linksextremistische Taten nicht zu verharmlosen. Was bitte? Das brennende Polizeiauto soll so schlimm sein wie das brennende Flüchtlingsheim? Sachbeschädigung gleich versuchter Mord? Ein vermummter schwarzer Block, der gegen das System anschreit, gleich ein hasserfüllter Mob, der ankommenden Geflüchteten Hasstiraden ins Gesicht brüllt? Fliegende Pflastersteine gegen gepanzerte Polizisten gleich Eindreschen auf Wehrlose anderer Hautfarbe?

Warum diese geschmacklosen Vergleiche? Sie sind ein Plädoyer für Verharmlosung! Ich bin tatsächlich Pro Verharmlosung linksextremistischer Gewalt. Würde ich es nicht tun, würde ich rechtsextremistische Gewalt verharmlosen.

Jaja, is klar. Nein, ich bin kein Polizistenhasser und ich raffe auch nicht, warum diese herhalten müssen als Feindbild von Autonomen und Krawallmachern. Ich bin nicht so der ACAB Typ, einfache Lösungen und Generalisierungen sind mir nämlich zuwider. Ehrlich gesagt hab ich mich noch nie im Leben geprügelt, ich verabscheue das.

Den Extremismus Begriff auf beide Seiten gleichermaßen anzuwenden, ist jedoch mindestens irreführend. Zumdindest sollte man sich mal die Skala ansehen, dessen äußerste Pole eben jene „Extreme“ bilden. Muss ich wirklich ans Ende der Skala wandern, um antidemokratische Einstellungen und Verhaltensweisen zu finden? Hört man sich an, was manch eine(r) sagt, aus Parteien der vermeintlichen „Mitte“ oder der salonfähig gewordenen Rotzbrühe von AfD, dann stellt man recht schnell fest: Nein! Nicht umsonst weist die Bundeszentrale für politische Bildung darauf hin: „Dass die Mitte, die als Gegenpol zu „extremus“ als nah, harmlos, gut oder respektiert verstanden wird, kann bezweifelt werden, wenn man sich erinnert, dass aus der Mitte der deutschen Gesellschaft heraus seinerzeit der Faschismus groß geworden ist.“

Üble Erkenntnis, oder? Donald Trump ist ein Faschist unserer Zeit, doch scheinbar findet sich die Hälfte der US-Amerikaner von ihm angezogen, obwohl man niederträchtiger kaum sein kann. Orban und Ungarn, die Rechtskonservativen in Polen, Erdogan und seine untertänige Türkei, lupenreiner Zar ..äh.. Demokrat Putin … is euch auch schon schlecht? Alle mit absoluter Mehrheit wohlgemerkt. Da rücken ganze Nationen mit einem riesen Satz nach rechts, und wir machen gleich mit, weils so schön ist. Da soll mir nochmal einer ernsthaft mit Linksextremismus kommen.

Politikwissenschaftler Klaus Schroeder, dessen Lehrbetrieb ich als Student selbst beiwohnen durfte, findet, dass linke Gewalt gesellschaftlich verklärt wird. Futter für alle „Ich bin ja nicht rechts, aber…“ Dummschwätzer. Er führt Statistiken an, dass die Zahl der Körperverletzungen auf beiden Seiten, rechts wie links, ähnlich hoch sei, was gleichsam den Mythos, linksextremistische Gewalt richte sich vornehmlich gegen Sachen, entkräften soll.

Zahlen alleine reichen mir aber nicht, um linke Gewalt du dämonisieren. Das Grundproblem liegt doch auf einer anderen Ebene, einer ethischen, einer der Werte und Menschlichkeit. Ich muss doch Stellung beziehen und sagen können, dass mir Rechtsextremismus, ungeachtet aller Zahlen, schlicht und ergreifend mehr Angst macht als jener von links. Die ganze Gesellschaft sollte ihn fürchten. Wenn auf Krawall gebürstete Linksautonome Scheiben von Luxusshops und Banken einwerfen, ist das zwar ziemlich panne, aber ich kann darin immer noch mehr Gesellschaftskritik erkennen als bei jenen, die „Wir sind das Volk“ johlen. Die haben zwar nix materielles kaputt gemacht, aber die sozialen Schäden sind viel verheerender. Unser ethisches Grundgefüge is völlig im Arsch. Ich brauch gar kein brennendes Flüchtlingsheim, um das zu erkennen.

Schaut man sich einmal die Definitionskriterien „politisch motivierter Kriminalität“ (PMK) beider Seiten genauer an, dann erkenne ich auch hier einen Maßstab, der in seinen destruktiven Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander unterschiedliche Qualität besitzt. In PMK-rechts werden Menschen eingeordnet, die rassistische, nationalistische und sozialdarwinistische Einstellungen an den Tag legen. PMK von links liegt vor, wenn sich die Täter irgendwie einer „linken Orientierung“ zuordnen lassen. Seriously? Ich find das ehrlich gesagt ganz schön dünn und hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Nehmen wir doch die erste Definition nochmal her und rekapitulieren, was für Aussagen tagtäglich in unserer neuen Shootingstar Partei AfD so kursieren. Da brauch doch nur wer die Fresse aufmachen und der Grundstein für rechte Gewalt ist gelegt. Unsere besorgten Bürger sollten UNS Angst machen. Hier werden fleißig weiter die Samen gestreut, die Hass befördern und Menschenverachtung legitimieren. Dagegen macht mir der stumpfsinnige Otto, der die Sparkasse an der Ecke demoliert, wirklich keine Angst.

Ja, ich polemisiere, und mit wissenschaftlicher Auseinandersetzung hat das auch nicht viel zu tun. Ist mir klar, es geht mir auch mehr um eine gesellschaftliche Zustandsbeschreibung, die die Anwendung des „Extremismus“ Begriffs den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen sollte. Wenn die Mitte schon rechts ist, wo befindet man sich dann als Linker?

Haten is erlaubt, gibt ja jetz die AfD.

Heute schon Kommentare im Internet gelesen? Wo es auch nur ansatzweise um Politik geht? Verliert man gleich die Beherrschung, ne? Jeder hat ne einfache Lösung parat. Und nen Schuldigen, der an die Wand gestellt gehört. Zum Schluss dann noch drauf hinweisen, dass man AfD wählt, weil die endlich mal aufräumen in der Politik. Protest! Macht mir einerseits Hoffnung, dass das Protestpotential großer Teil des Erfolgs und vergänglich ist, sobald auch sie scheitern oder im System angekommen sind (oder die Macht ergriffen haben). Dass es jedoch keine wirkliche Alternative schafft, Erfolg zu haben, ganz ohne faschistoiden Nonsense und mittelalterliche Ideen, betrübt mich.

Man, und wie die AfD gepriesen wird… als frischer Wind in der Parteienlandschaft. Gegen die Etablierten! Wo genau liegt der Unterschied zur CSU? Alte Männer mit alten Ideen, und ein paar karrieregeile Flitzpiepen. Das ist nicht neu, das ist stinkkonservativ, realitätsverweigernd und rückwärtsgewandt.

Der einzige Unterschied, den ich erkenne, ist die Verschiebung des Sagbaren. Haten ist plötzlich salonfähig. Rassistische Kackscheiße von sich zu geben, ist plötzlich politischer Widerstand. Hatten wir das nicht schonmal? Wenn man sich die Zusammensetzung der AfD ansieht, mit all den zusammengekehrten Resten vom rechten Rand, die eine neue Heimat gefunden haben, verwirrten Seelen, die glauben, in die Vergangenheit zurückkehren zu können und ein paar bankrotten Jungspunden, die mal einen auf dicke Hose machen wollen (hier ist der Unterschied zu den anderen Parteien wahrscheinlich am kleinsten), dann sollte man eigentlich erkennen, dass die „Alternative“ grau, trist und ängstlich ist.

Die Tatsache, dass jetzt auch die allerletzten Kellerkinder ans Tageslicht kommen und laut rumkrakelen, lässt uns zumindest erkennen, wie der bisher politisch apathische Rest im Inneren tickt. Ich bin versucht zu sagen: Wär der Nichtwähler lieber Nichtwähler geblieben. Aber immerhin wissen wir jetzt, welche Denke in der Mitte unserer Bevölkerung vorherrscht. Und jetz dürfen sie es endlich auch mal verbalisieren, und zwar ohne Hemmungen, denn es gibt ja das Internet als Instrument dafür. Anstandsregeln sozialer Interaktion sind außer Kraft gesetzt. Aber hey, so bekommen wir endlich mit, wie weit unsere gesellschaftspolitische Aufklärung tatsächlich fortgeschritten ist. Nicht besonders weit, würd ich sagen.

Ich will aber hier nicht den Eindruck vermitteln, dass die Schuld nur bei den einfach gestrickten Otto-Normal-Hinz-und-Kunzes aus Bauernhausen liegt und den Rattenfängern, die ihnen aus der schwarzen Seele sprechen. Natürlich hat die Politik Schuld. Nicht nur die deutsche, sondern die globale, die nach ihrem Paradigma der (leider nicht so freien und unabhängig funktionierenden) Marktwirtschaft so so viele Menschen abhängen ließ. Jaja, man kanns nicht mehr hören, aber es is eben so, und zudem der Hauptgrund für die ganze Scheiße: Die Arm-Reich-Schere klafft auseinander, die Mittelschicht rutscht ab, jeder kämpft um ein kleines Stück vom Kuchen, während die Reichen gar nicht wissen, wohin mit der Kohle, Hauptsache irgendwo, wo man nicht dran kommt.

Ich dachte ja mit Veröffentlichung der Panama Papers: Jetzt isses endlich soweit. Wir alle kriegen es auf dem Silbertablett serviert, wie abartig korrupt unser ganzes System ist. Selbst der letzte muss es nun kapieren. Jetzt muss was unternommen werden! Wie naiv von mir. Stattdessen erhöht Herr Schäuble das Kindergeld um 2 Euro. Das ändert alles.

Und die Diskussionen auf lokaler Ebene drehen sich wieder nur um den eigenen Vorgarten. Die schwarzen Drogendealer ausm Görli gehören „ausgemerzt“, die „linken Terroristen“ von der Rigaer Straße „ausgerottet“. Die kriegerische Sprache ist zurück, einfache Lösungen werden bevorzugt. Viele wünschen sich einen starken Führer mit eiserner Hand, der für Ordnung sorgt. Na wunderbar. Demokratie is halt scheiße, weil so viele Menschen anderer Ansicht sind, aber doch nur die eigene zählt. Denn schließlich könnte ja auch mein eigenes Auto irgendwann brennen, oder ein Flüchtlingsheim in meiner Nachbarschaft errichtet werden. Nee, lass ma! Die eigene Komfortzone, da darf bitte keiner dran rütteln. Und wenn doch: Volksverräter, Deutschlandhasser, Terrorist, Gutmensch!

Die Widersprüche gehen durch jeden einzelnen, aber reflektieren tun es eben nur die wenigsten. Finanzindustrie bluten lassen! Aber meinen Pensionsfonds, der auf faulen Immobilienkrediten basiert, nicht anfassen! Widerstand leisten! Aber wenn ich mit meinem Auto stecken bleibe wegen so ner blöden Demo schon wieder… in den Kerker werfen, dieses aufsässige Lumpenpack! Wat, der Ribéry verdient 12 Millionen im Jahr? Da kauf ich mir doch glatt ne Karte fürn Hunni, um den im Stadion mal live zu sehen. Naja, das führt zu weit, aber ihr wisst, was ich meine.

Nochmal zurück zur Sprache. Hört doch endlich auf, jeden Satz relativierend anzufangen mit „Ich bin ja nicht rechts, aber…“ oder „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber…“, denn spätestens wenn der Satz so anfängt, endet er im genauen Gegenteil. Wenn jetzt eh alles gesagt werden darf und es auch noch parteipolitisch Gehör findet, dann haut es doch einfach raus. Sonst endet das so glaubwürdig wie hier: “Rudi M. nennt Türken „dreckige Kanaken-Wixxer, die in ihr Eselficker-Land zurückgehen“ müssten. Das solle aber „nicht heißen, dass ich rechts bin“.” Absolut nicht Rudi, du bist einfach nur ein mieses Arschloch mit einem Spatzenhirn, wobei ich den Spatz hier in Schutz nehmen muss, denn sowas würde der nicht von sich geben.

Ich bekomm solche Aussagen in abgeschwächtem Maße auch in meinem entfernten Umfeld mit, wenn ich mal meine Gutmenschen-Filterblase verlasse. Dabei versuche ich, die Hintergründe der Person zu berücksichtigen, und es gibt genug Gründe, die ich nachvollziehen kann, die diese Person zu dieser Denke bewegen. Und letztlich komme ich immer zu dem Schluss, dass es die Sorge um den eigenen Wohlstand ist, die einen umtreibt. Und da man sich immer im nahen Umfeld umschaut, wer wieviel hat, hagelt es eben keine verbale Prügel auf die Superreichen, von denen man selten einen kennt, sondern auf die, denen es noch dreckiger geht. Man kann nicht akzeptieren, dass sie einen ähnlichen Lebensstandard haben sollen, wobei man selber doch so hart dafür arbeiten musste.

Wie gesagt, ich kann das verstehen, aber leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass man mit Argumenten oft sehr wenig erreichen kann, sein Gegenüber eine differenziertere Sichtweise annehmen zu lassen. Vielleicht tut man es ja doch, aber es ist eben nicht sofort erkennbar und es verlangt einem soviel emotionalen und empathischen Aufwand ab. Den bin ich oftmals gar nicht erst bereit zu investieren, muss ich zugeben. Ich flüchte mich in mein möchtegern-intellektuelles Gedankenparadies und denk mir: Bei dir is der Zug doch eh schon abgefahren. My bad!

Argumente sind gegen Emotionen aber eben oft auch machtlos. Warum stimmen sonst Orte im Vereinigten Königreich für den Brexit, obwohl sie größtenteils durch EU-Subventionen am Leben gehalten werden? „Make America – äh Great Britain – great again!“ Und schon wieder in der Vergangenheit geschwelgt.

Wenn die Wahl wirklich nur darin besteht, die unverbesserlichen Hater entweder abfällig und besserwisserisch durch die Blume (oder in your face) zu beleidigen oder gefühlt gegen eine Wand anzureden, wofür soll ich mich entscheiden? Tief im Inneren weiß ich, dass letzteres wünschenswerter wäre, aber es ist so anstrengend und ich will mich nicht in eine Position begeben, in der ich letztlich als naiver links-alternativer Junge hingestellt und belächelt werde. Ist es schlimm, wenn ich mir denke: Du engstirniger verbohrter Kleinbürger raffst es nicht, und du willst es einfach nicht raffen!? Ich halte mich auch komplett aus Online Diskussionen raus, weil ich realistisch genug bin zu wissen, dass es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist und die Mühe nicht wert. Die nächsten 5 nehmen sowieso keinen Bezug drauf, sondern brüllen irgendwas dämliches in den Äther.

Das hat wenig mit Political Correctness zu tun. Mit Political Correctness habe nämlich auch ich ein Problem, denn sie fungiert wie ein Schalldämpfer, oder ein Vorhang, der verbirgt, was viele Leute eigentlich sagen, wenn sie sagen was sie sagen. Nun wird der Begriff an sich ja auch schon längst von unseren rechts-nationalen Alphatierchen gedisst. Diese verwechseln Political Correctness allerdings mit Regeln des Anstands. Der Damm ist gebrochen, unterirdischste Kommentare werden losgetreten und verstärken sich in entsprechenden filterbubbles selbst, bis alle es glauben. Das ist nicht mehr nur nicht PC, sondern total zurückgeblieben und verachtenswert.

Kaum zu glauben, dass ich vor Jahren mal politische Online Kommunikation und Faktoren, die solche Diskurse wahrscheinlicher gelingen lassen, wissenschaftlich untersucht habe. Vergeudete Lebensmüh? Kommt mir grad so vor.

Jetzt wo wir dank Online Kommentarfunktion wissen, wie die Gruppe, die lange Zeit geschwiegen hat, tickt, können wir bitte zurückkehren zu Katzenvideos und Fail-Compilations?

Mfg – Mit freundlichen Grüßen

Mfg – Mit freundlichen Grüßen

Wenn ne Mitfahrgelegenheit nicht viel schlimmer laufen kann…

Oder auch: Schicksalsstunden eines jungen Mitfahrers

Ein flüchtiger Bekannter bot mir an, mich am Vorweihnachtstag im Auto von Berlin mit nach Köln zu nehmen. Bei manchen Entscheidungen merkt man recht schnell, dass sie falsch waren. Der Ablauf in chronologischer Reihenfolge:

20 Uhr: Ein Anruf. M (so nenn ich ihn) teilt mir mit, dass es bald losgehen soll. Mit genaueren Infos hält er sich stets zurück. Ich muss ihm die meisten konkreten, aber durchaus hilfreichen Infos aus der Nase ziehen. Der Mietwagen, den sie gemietet hätten, sei am Flughafen Tegel abzuholen. Am besten träfe man sich also dort. Da ich einmal durch die ganze Stadt gurken muss, um dort hin zu kommen, mach ich mich also frühzeitig auf den Weg, weil warten lassen wär ja blöd, wenn man schon mitgenommen wird. Ich würde gleich 2 Leute warten lassen, denn er fährt mit seiner Freundin A.

Ich schreibe ihm, dass ich um 22 Uhr vor Ort sein sollte und hoffe, dass sie nicht auf mich warten müssen. Keine Reaktion. Meine Bahn hat Verspätung, ich bin paar Minuten spät dran, renne zum Mietwagenverleih-Center-Ding.

22 Uhr: Viele bunte Leuchtreklamen und Mitarbeiter in ähnlich bunten Kostümen, aber kein M. Ich rufe ihn an. Wo sie denn seien. Trockene Antwort: „Wir brauchen noch ne Weile. Aber geh schonmal zum Schalter und warte dort, damit es gleich losgehen kann.“ Das mach ich. Und warte. Und warte.

23 Uhr: M schlufft herbei und reiht sich am Schalter ein. Eigentlich ist nur eine Person vor ihm, aber es dauert ewig. M ist an der Reihe und: Es dauert ewig. Weils so ewig dauert, hört M scheinbar nicht mehr zu, denn als er mit dem Schlüssel in der Hand zum Aufbruch winkt, gehen wir planlos Richtung Parkgarage. Er hat keine Ahnung, dass es mehr Etagen gibt als nur eine. Auf Ebene 2 irren wir rum, während M fleißig über die Unfähigkeit des Mietwagenverleih-Mitarbeiters meckert. Ich sach: „Drück doch ma auf den Knopf vom Autoschlüssel, irgendwo wird’s dann schon piepen“. Macht er aus Protest nicht, scheint mir. Weil ich klüger bin als er oder so. Was weiß ich. Stattdessen vergleicht er Nummernschilder.

Wagen gefunden. Ein Fiesta. Is mir ja im Grunde wurscht, was fürn Auto, aber wie er mir die Fahrt im Vorhinein beschrieb, klang das eher so, als bretterten wir in ner Limosine nachts über die Autobahn. Mit reichlich Platz und Konfort, zügig und reibungslos. Hm ja, das wärs gewesen.

Stattdessen erstmal diverse Runden ums Auto gedreht, um eventuelle Kratzer ausfindig zu machen, die der hinterhältige Verleih uns verschweigt. Ich Trottel find dann auch noch einen aufm Dach und teil ihm meinen Fund auch noch mit. Heißt: Nochmal zurück zum Schalter und die Entdeckung mitteilen. Ist dem Typne reichlich wurscht. Wärs mir auch gewesen. Aber laut M sind alle böse und zocken einen hinterher ab.

Die Frau ruft an. A will wissen, wo wir bleiben. Sie sitzt nämlich seither im DriveNow Auto mit einer außerordentlich großen Menge an Gepäck. Aufgrund der Ladung sind sie mit nem Leihauto zum Flughafen gefahren. Mit dem Mietwagen zum Mietwagen quasi.

Wir also zum DriveNow Parkplatz, um umzupacken. A hat sichtlich keine gute Laune. Sie scheint auch jetz erst zu erfahren, dass ich mitfahre. Ihre Laune wird nicht besser. Ich merke schon, dass irgendwie Spannung in der Luft liegt. Als flockiges Kerlchen biete ich meine Hilfe beim Umpacken an. Ich trage einen Wäschekorb voll mit Schuhen in den Fiesta. Wie lange seid ihr weg? 4 Tage? Ein Korb voll Schuhe? Ähhh. Ich stell mal keine doofen Fragen. Als sie realisieren, dass sie mittlerweile für 2 Mietwagen gleichzeitig löhnen, werden sie erstaunlicherweise nicht entspannter.

Ok, Gepäck stapeln ist letztlich auch geschafft, und es kann losgehen. Theoretisch. Noch schnell den DriveNow abschließen. Geht nicht. Will nicht. Irgendein Problem. Also Kundenservice anrufen. Dieser löst das Problem, aber trotzdem steht für die beiden fest: Alle unfähig. Unfähige Mitarbeiter weit und breit.

23:30 Uhr: Ich quetsch mich hinten rein. Meine 190cm sollten A nicht entgangen sein, die sichs vorne gemütlich macht. Ich warte auf ein obligatorisches „Haste genug Platz da hinten?“, aber das kommt nicht. Also mach ich subtil auf mich aufmerksam indem ich meine Knie links und rechts am Beifahrersitz vorbeischiebe, so dass sie A im Prinzip schon als Armlehne benutzen könnte, während M sämtliche Einstellungen im Cockpit auf Wunschposition bringt. Beim rumjustieren kollidiert er mehrmals mit meinem Knie was schon halb überm Schaltknüppel hängt, so dass ich irgendwann mein Ziel erreicht habe und der Sitz vor mir kommentarlos ein Stück nach vorne rutscht.

Juchei, wir fahren! Wir rollen los, verlassen den Flughafen und an der ersten Abbiegung, die eine Entscheidung verlangt, welche Richtung man einschlägt, bleiben wir abrupt in der Mitte stehen. Wo lang eigentlich? Wo müssen wir hin? Alter, guckt man sowas nicht vorher nach? Nee, wir bleiben in der Mitte der Straßen stehen und lassen uns von hinten anhupen, während M den Schuldigen gefunden hat: Das Auto. Kein Navi. „Welches beschissene Auto hat heutzutage kein Navi?“. Berechtigte Frage, aber auch wenns eins gehabt hätte, hätte man es VOR Fahrtantritt mit Infos füttern müssen. Spätestens da hätte man dann gemerkt: Oh, kein Navi.

Wir quälen uns mit allerlei Gequengel auf die Autobahn, um an der ersten Tankstelle abzufahren. Kaffee kaufen. M ist soooo müde. Ja toll, nu fahr endlich.

24 Uhr: Wir sind tatsächlich am fahren und passieren den Stadtrand. Seit Fahrtantritt geht’s vorne nonstop ums Thema Selbstbeteiligung. Die Mietbedingungen enthalten nämlich 1000 Euro Selbstbehalt bei Schäden, erfahre ich. Eine Frechheit, findet M. Und A bekräftigt, dass sie das bei der Auswahl des Fahrzeugs extra ausgeschlossen habe. Kann doch alles nicht sein. Ja, ist aber so und ich versteh nicht, was man da noch ne halbe Stunde diskutieren muss.

Und sowieso, ein Fiesta! M ist sauer. Mit dem kann man nicht schnell fahren, weil es dann so laut wird, meint M. Was bedeutet, dass wir mit 120 nachts über die Autobahn juckeln. Vorbei die Vorstellung einer baldigen Ankunft schon jetzt. Ein Fiesta…! „Sonst hatten wir immer nen Polo. Verstehe nicht, warum wir diesmal keinen bekommen haben.“ Ich schon, aber was ich nicht versteh ist, was an nem Polo soviel besser sein soll als an nem Fiesta. Ich behalts für mich.

Selbst mit 120 scheint die Herausforderung, eine der drei Spuren zu halten, nicht zu meistern. M schlingert auf 2 Spuren gleichzeitig umher, stets die gestrichelten Linien unterm Auto. Ist er wirklich so müde oder ist das einfach sein Fahrstil? Keine der beiden Optionen kann mich beruhigen.

Der Sitzkomfort ist M ein Dorn im Auge. Hauptmakel ist, dass man die Kopfstütze nicht nach vorne verschieben kann. Hab ich noch nie bei einem Auto gesehen, dass das geht. Hoch und runter, ja. Aber nach vorne? Doofer Fiesta! Ich frag ihn, ob es nicht daran liegen könne, dass sein Sitz im 45Grad Winkel nach hinten gekippt ist und er schon halb liegt. Nein! Die Sitzposition sei nicht das Problem. Die sei gut. So gut, dass M mehrere Handtücher zusammenrollt und sich in Rücken und Nacken klemmt. Wow, super Lösung, total ergonomisch und auch überhaupt nicht bescheuert.

Ich suche nach Ablenkung. Ich hole meinen Laptop raus und sortiere meine Dateien. Wann, wenn nicht jetzt?! Plötzlich haut M in die Bremsen. „Oh, ich dachte da sei eine Blitze. Aber hier ist ja eh keine Geschwindigkeitsbegrenzung.“ Aha, und warum soll dann da ne Blitze sein?! Auch diese Frage behalte ich für mich.

M ist so müde. Also Fahrerwechsel. Vielleicht gleich noch tanken, wenn wir eh schon am Rastplatz halten? Nee, meint M, brauchen wir nicht.

Sie fährt auch nicht besser. Aber die Schlangenlinien halten sich in Grenzen. Ich suche das Gespräch, aber das ist unbefriedigend, da es immer damit endet, dass er geil ist und die anderen nicht. Also sortiere ich weiter und M schläft.

3 Uhr: Ich schaue von meinem Bildschirm auf und stelle fest, dass wir munter der A2 folgen. Immer geradeaus. Ich frage ob es sein kann, dass wir die Autobahn hätten wechseln müssen. Ich weiß es ganz genau, da man von Berlin nach Köln im Grunde nur einmal die Autobahn wechseln muss, und zwar von der 2 auf die 1, bei Dortmund. Dortmund is aber schon ne Weile hinter uns.

M wacht auf, schaut auf sein Handy-Navi und sagt: „Öh, nee, das Navi sagt, wir müssen in 15km abbiegen“. Ich denke: Klar, wenn man eine Ausfahrt nach der anderen verpasst, dann ist es immer die nächste, die man nehmen soll. Ich behalts für mich.

Ach, und die Tankanzeige blinkt schon seit geraumer Zeit.

4 Uhr: A tuckert mit 80 über die Autobahn, LKWs überholen uns. Ich glaub, sie will spritsparend fahren, in der Hoffnung, dass bald eine Tanke kommt. Ich schaue aus dem Fenster und sehe das nächste Aral-Schild vorbeiziehen. Abfahren? M meint, wir sollten mal abfahren. Clever. Sie sagt, in 3km käme ein Rastplatz mit Tankstelle. Na die 3 Kilometer schaffen wir noch. Ein kleiner Witz wird gemacht, als wir abfahren, denn die Erlösung scheint nah. Doch 10 Sekunden später is die Stimmung zum zerreißen. Keine Tankstelle. Nur ein Restaurant. M: „Was is das für ein Scheiß? Das hab ich ja noch nie erlebt: Ein Tank & Rast ohne Tankstelle!“ Habt ihr denn nicht auf die Symbole geachtet, frag ich mich. Ne Zapfsäule heißt: Tankstelle. Keine Zapfsäule heißt: Keine Tankstelle. Ich behalts für mich.

„Ich fahr weiter!“ ist M entschlossen, als ändere das was an der Menge an Sprit in unserem Auto. A sucht über Google Maps eine Tanke in der Nähe. Wir fahren an der nächsten Ausfahrt raus und finden die Tanke. Geschlossen! Kann schon mal passieren, so um 4 Uhr nachts im letzten Kaff.

Ich sehe, dass wir ein paar Kilometer vor Remscheid sind und weiß genau, dass es an der Autobahn dort ne Tankstelle gibt. Diesmal behalt ichs nicht für mich.

„Aber auf der Autobahn stehen bleiben, wär richtig scheiße. Das wird dann richtig teuer!“ ist M besorgt. Ich versteh das vollkommen, kann aber keine andere Lösung präsentieren. „Was solls, wir müssen es probieren.“

Wir fahren wieder auf die Autobahn. Wir verlassen die Beschleunigungsspur und 300m später rollen wir auf die Standspur. Das wars, kein Sprit mehr. Irgendwie passt es. Wenn sowas mal passieren musste, dann jetzt. Ein Scheiß nach dem nächsten, da war das im Grunde nur logisch.

Das war natürlich auch der Trigger, der das latente Rumgeätze der beiden in eine handfeste Schreierei ausarten lässt. A legt los: „Ich hab dir gesagt, wir sollen tanken. Aber nein, du weißt es natürlich besser.“ Und irgendwann wird’s tiefer: „Ich pack alles zusammen, kaufe alle Geschenke für deine scheiß Familie, kümmer mich um den Wagen, und du bist zu blöd zum tanken! Ich könnt so kotzen.“ Seine Antwort ist in 90% der Fälle: „Ich versteh dich ja. Aber es bringt doch jetzt nichts, sich aufzuregen. Das machts nicht besser.“ Stimme ich ihm grundsätzlich zu, jedoch sagt er das nur, um von seiner eigenen Unfähigkeit abzulenken. Untermauern tut er das noch, indem er „den Westen“ beschuldigt, keine Tankstellen zu haben. Ich bin durchs australische Outback gefahren und bin nie ohne Sprit liegen geblieben. Diese Randnotiz behalte ich für mich.

ADAC Mitglieder sind die beiden natürlich nicht. Und das wird alles unheimlich teuer. „Ruf deine ganze scheiß Familie an, ist mir scheißegal. Klingel die wach und hol uns Hilfe.“ bittet A.

Ich so: „Können wir vielleicht erstmal die Warnblinkanlage anschalten? Die LKWs, die an uns vorbeidonnern, machen mich ein bisschen unruhig.“ Auch das Warndreieck wird bald in seiner Funktion entdeckt.

M hat einen seiner Brüder erreicht. G soll uns nen Kanister Benzin bringen.

5 Uhr: Nach einer Stunde ruft M seinen Bruder an. Wo steckt er bloß? G war wohl ein bisschen aufgeregt und hat im Eifer des Gefechts seinen eigenen Wagen mit dem falschen Sprit vollgetankt. Ups. Wagen stehenlassen und den der Frau nehmen. Alle 3 Abfahrten zu früh nehmen und uns nicht finden. Nach mehreren Telefonaten dann doch endlich.

G ist ob seines Missgeschicks eigentlich recht gut gelaunt. A und M nicht so. Ich schweige nach wie vor und denke mir, dass schon längst mal eine Entschuldigung fällig gewesen wär, oder zumindest eine Bekundung des Bedauerns. Mein Entschluss steht fest: Keine müde Mark geb ich denen.

7:30 Uhr: Bringt mich heim, lasst mich raus und kommt gut nach Hause. Traute Weihnachten! Idioten!

Bier und Tischtennis

Warum nicht einfach mal über nen schönen Tag bloggen, den man hatte? Wo man abends denkt: Boah, bin ich am Arsch, aber war echt geil heut. Das sind auch meistens Tage, bei denen man es morgens noch nicht unbedingt erwartet hätte. Vielleicht liegt das daran, dass wenn man sich auf irgendwas schon lange richtig freut, der emotionale Zugewinn am Tag selber nicht mehr so großartig sein kann.

Als wir um 11 Uhr morgens den Himmel über London inspizierten, schwahnte uns böses. Sah nicht unbedingt nach Brewery Crawl aus da draußen. Einige Mikrobrauereien öffnen samstags mittags die Pforten und bieten ihre Biere der Öffentlichkeit zur Verkostung an.

Schlabber Schlabber Schleckermäulchen

Schlabber Schlabber Schleckermäulchen

Bier gleich nachm Frühstück, mhmm. Draußen im Winter. Bei dem Wetter? Naja, es klart langsam auf, die Sonne sagt Hallo. Also ab geht’s. Und der Londoner Winter ist auch nicht so furchteinflößend.

Um nach Bermondsey, den scheinbar heimlichen Hort unabhängiger Braukunst, zu kommen, überqueren wir die Tower Bridge südwärts, bis uns unter den Bahnschienen bald schon die erste Bierbankgarnitur anlächelt. Wir probieren uns durchs Biersortiment, aber so richtig vom Hocker reißt uns keins. “I don’t like yours. And I don’t like yours either. Oh, no, that’s not mine, too. I like mine. I think.”

Halt Nr.1

Halt Nr.1

Kurz Zeit zum kontemplieren über den Unterschied von Ale und Lager, Kegs und Casks, die Zutaten, Deutsches Reinheitsgebot und die eigenen Vorlieben was den Brotsaft betrifft. Kleine Gläser, große Gläser, die Mass in Bayern – dann natürlich kurz Oktoberfest, wenn man schon über Mass redet, – wieviel Kohlensäure, was heißt fruchtig…

Bevor wir es überhaupt zur zweiten Verköstigung schaffen, bleiben wir im Fressparadies hängen. Entlang der Bahngleisenüberführung drängeln sich Leute durchs Geschmacks-Schlaraffenland. Der “Ropewalk” beherbergt zwischen Grilled Cheese Sandwiches, Honig Bier und Scotch Eggs auch einen Antikladen, dem ich jedes zweite Möbelstück ohne weiteres hätte abkaufen können. Wenn ich Geld hätte.

Also weiter mit übergroßem Teller aus orientalischen Köstlichkeiten und frischen Falafeln in der Hand zum nächsten Bier. Und ach, welch Gaumenfreude uns erwartete. Ich bin ja mittlerweile soweit, mich zu gegebenem Anlass einem Guiness hinzugeben, aber so richtig geil find ichs jetz auch wieder nicht. Dort gabs sowas ähnliches, aber lecker. Wirklich fast alles, was die jungen Burschen da bei Ansbach & Hobday aus ihren Hähnen fließen lassen, schmeckt vorzüglich.

Die bunte Welt der Biere

Die bunte Welt der Biere

Entweder ist die letzte Brauerei unserer Tour der heiße Scheiß schlechthin, oder umso später, umso mehr Biertrinker auf den Straßen. Jedenfalls wird die englische Trinkkultur nun spürbarer: Möglichst früh möglichst viel Biersaft in sich reinkippen. Auf der anderen Straßenseite stehen 4 Polizeiautos und so ein paar rumlungernde Kids. Irgendwie The Wire mäßig. Aber in dieser karnevalsartigen bierseeligen Stimmung in einer übergroßen Garage wirkt die Szene surreal.

Was mir aber dann irgendwann auffällt: Dass ich mal wieder mein Winterschuhe mit Lammfelleinlagen nicht angezogen habe. Oft denk ich nicht mal für 5 Pfennig. Trottel. Auf dem Rückweg kauf ich noch schnell was geschmackvolles für den Eingangsbereich meiner Unterkunft. Will mich wer als Innenausstatter einstellen? Das wär ein Job für mich, glaub ich.

Nix gegen halbe Sachen

Nix gegen halbe Sachen

Da wusste ich noch nicht, dass der Abend der verzeitige Höhepunkt meiner aktiven Tischtennis Karriere werden würde. Die Wilton’s Music Hall hat zum Ping Pong Turnier eingeladen. Schon seit meinen ersten Tagen in dieser Stadt, in denen es mich in dieses nahegelegene Pub gezogen hat, wollte ich mir die älteste Music Hall Londons (so hat es mir zumindest mal einer erzählt) von innen ansehen. Sie ist durch einen kleinen Flur an das Pub angeschlossen und hostet vielerlei Events, seit sie mit Hilfe von engagierten Leuten aus der Gegend und Spenden wieder alten Charme versprühen darf.

Nachdem ich meiner ersten erstaunten Gegnerin erstmal die Regeln erklären musste, kam im Laufe des Turniers dann mehr und mehr das zustande, was ich als Tischtennis bezeichnen würde. Glücklicherweise konnte ich durch meinen Sieg gegen den allseits gefürchteten kleinen Jogginghosen Mann in voller Joola-Sponsoring-Montur und durch meinen sensationell groovy Auftritt das Publikum für mich gewinnen.

Ping Pong @ Wilton's

Ping Pong @ Wilton’s

Die Gründe für meine Niederlage im Finale liegen auf der Hand: Zuviel Bier in der Vorbereitung und zuviel Druck durch den Zuschauerandrang. Eine nervenzerreißende Atmosphäre. Spannung zum Anfassen. Damit kann ich nicht umgehen. Mein Gegner hat einfach sein Ding abgespult, der olle Rampensau-Routinier.

Danke an meine Fans, die waren toll! Das hat mich am nächsten Tag immer noch beeindruckt. So wie mein Muskelkater. Vom Kneipensport.

Quickie Impressions

Ich wollte ein Bankkonto eröffnen vor kurzem. Dazu hatte ich mir einen Termin bei Barclays gemacht, einer der größten Finanzinstitute Großbritanniens und eigentlich schon längst kaputt, wenn der Stabilitätspakt es nicht vor dem Untergang gerettet hätte. Als einflussreichstes Unternehmen der Welt gibt man sich aber natürlich nach wie vor nicht mit so belanglosen Kröten wie mir ab.

So eine Bank sieht von innen bisschen aus wie eine hässliche Hotellobby: steril, ungemütlich, und von oben bis unten durchdesignt. Ein überfreundlicher Empfangsmensch erzählt mir: Jaja, kein Problem, wir brauchen nur eine ID und nen Wisch mit meiner Adresse drauf. Na easy, denk ich, läuft.

Der Anzug-Roboter, der mich zu seiner Schreibtisch-Nische führt, beginnt einsilbig: “Sorry for keep you waitin, Mr. Schilling. Follow me, please!” Dabei hab ich noch nicht mal gewartet und ich war früher dran als eigentlich ausgemacht. Aber erstmal Standardphrase runterdreschen. Mit seinem gelangweilten Bubi-Face grabscht er mir alle Unterlagen aus der Hand, die ich mitgebracht habe und fügt beiläufig hinzu, ohne dass es ihn im geringsten interessiert: “Good day?” Dabei glotzt er schon längst wieder kaugummikauend auf seinen Bildschirm, mit sich niemals änderndem bored face. Ich kann seine Empathie förmlich riechen.

Ich habe einen Arbeitsvertrag und eine persönliche Nachricht meines Chefs mitgebracht, was bei allen meinen Kollegen bei allen anderen Banken gereicht hat. “Your employer is not on our list of employers. There is nothing I can do for you.” Bäm, und tschüss. “I’m sorry!” Ja natürlich, trifft ihn sicherlich mitten ins Herz. “Have a good day!” Wollen wir nochmal drüber reden? Oder wie unflexibel seid ihr? Aber ich will eh schon längst da raus.

Sowieso kommt mir die Londoner City mit all seinen gläsernen Hochhäusern, Anzug-Menschen und Shopping-Zombies vor wie ein einziges Krebsgeschwür. Ich stell mir vor, wie von hier aus die halbe Weltwirtschaft in die Tonne getreten wurde. Und das Geschwür wächst immer weiter und weiter. Scheinbar lässt sich inmitten interkultureller Subkulturen und urbaner Anonymität genauso ungeniert die Solidargemeinschaft prellen wie auf karibischen Offshore Inseln, die man auf Anhieb nicht mal auf der Weltkarte finden würde.

Jedoch hat die alte City auch richtig tolle Seiten. Eine Jack the Ripper Walking Tour sollte uns einen Eindruck vom düstereren und verwinkelten Teil der Stadt geben. Und das hat sie auch getan, obwohl der Tourguide die meiste Information nur in seinen Bart genuschelt hat und uns bei eisiger Kälte Ewigkeiten die Themse hat entlang latschen lassen, so dass die Gruppe von 25 Leuten nach kürzester Zeit auf eine Handvoll zusammengeschrumpft war.

Das älteste Pub Londons sollte man aber durchaus mal besucht haben, ein sehr sehr cooles Kellergewölbe auf mehreren Ebenen, wo man sich alle 2 Meter hart die Birne anstoßen kann wenn man nicht aufpasst. Dort ausgestellt in ausgestopfter Form ist ein Papagei, der früher wohl ständig die Gäste beleidigt hat wenn sie reinkamen. Schade, dass der schon tot war, das hätte mich sehr amüsiert.

Die ganzen Pubs laden einen auch wirklich zum Bier trinken ein. Wenn das Gesöff an überdimensionalen Knüppeln ins Glas gepumpt wird, macht mich das immer auch ein bisschen an. Und Cider trinken tu ich neuerdings auch. Wusst nich, dass das so super is. Wie Apfelschorle mit Effekt.

Die englische Kultur hat schon seine herzigen Seiten und ich fühl mich wohl hier. Bloß zu voll hier. Stundenlang durch die Schächte irren, nur um die U-bahn-Linie zu wechseln, und so ne Späße, das wär mir auf Dauer too much. Soviel mal als kleines Update für alle, die es tatsächlich interessiert…

Architektur in Canary Wharf

Architektur in Canary Wharf

Greenwich

Greenwich

Fluss halt

Fluss halt

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Ein gewisses Maß an Selbstzerstörung

Ich hab ja gedacht, Berlin sei ne Großstadt, aber wenn man sich mal auf London einlässt, stelllt man schnell fest, wie gemütlich die deutsche Hauptstadt eigentlich ist. Also erstmal bin ich vor allem kontinuierlich auf der Hut, nicht überfahren zu werden. Der Verkehr ist lächerlich, das Recht des Stärkeren wird hier relativ ausgiebig zelebriert. Auf dem Fahrrad nimmt das Ganze dann auch mal ziemlich suizidale Züge an. Und damit meine ich nicht den Linksverkehr, sich darüber zu beklagen, wär lame und alt.

Die öffentlichen Verkehrsmittel gehen immer und überall vor, da wird man als Radfahrer auch schonmal abgedrängt, wenn man einem Busfahrer oder Taxi nicht passt. Wenn man im Augenwinkel den Doppeldecker hinter sich drängeln sieht und er sich daran versucht, dich innen zu überholen, macht man dann auch schonmal freiwillig Platz. Als überzeugter Radler fällt es mir nicht leicht das zu sagen, aber es sind auch die Fahrradfahrer hier, die zum Kampf geradezu auffordern. Ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste brettern die mit ihren teuren Rennmaschinen und völlig unkontrolliert durch Autos hindurch und über Kreuzungen hinweg, dass es einem schlecht wird. Die Blumen, die hier ums Eck an der Laterne hängen, sollten einem eigentlich Warnung genug sein.

Wenn ich aber von ArbeitskollegInnen höre, was morgens an ihren U-Bahn-Stationen los ist (wartendende Pendler, die auf der Straße drängeln, um überhaupt runter in die Schächte vorzudringen), weiß ich wieder sofort, warum ich das tue. Darauf hätte ich ja noch viel weniger Bock als mich mit dem motorisierten Verkehr anzulegen.

Allzu viel hab ich von der Stadt noch nicht gesehen, muss ich zugeben, aber Schritt für Schritt versuche ich, die Gegend zu erschließen. Angefangen mit nem abendlichen Spaziergang in der nördlichen Hood rund um Tower Bridge. Die Architektur bei Nacht hier ist unglaublich. Hört man wahrscheinlich nicht oft als eine der ersten Attribute über diese Stadt, aber die ist einfach mal echt schön.

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Triple Rainbow, all the way!

Island 2014: Ein uninformativer Reisebericht mit halbwegs guten Fotos


 

Schonmal bei 3 Grad Celsius und eisigem Wind gezeltet? Ich auch nicht, bis ich mich spontan entschied, mit zwei Freunden (die sich vorher nicht kannten) diesem Island einen Besuch abzustatten. Das Island, was angeblich boomt. Was das heißt, kann man sich aber im Grunde vorstellen: 10-Tage-Bustour unter Anleitung, mit Übernachtung im 4-Sterne-Hotel, Abenteuer-Exkursionen im beheizten Jeep, und einem Satz langer Unterhosen für die Überraschten („Oh, is ja kalt hier“) wenn man doch mal das Auto verlassen muss.

Meine 2 Wurstköppe von Begleitern

Meine 2 Wurstköppe von Begleitern

Regen oder nich Regen? Das is öfters mal die Frage.

Regen oder nich Regen? Das is öfters mal die Frage.

Für viele ist der Ort aber zugegebenermaßen noch ein Paradies für Experimente und eine gewollte Gelegenheit, den inneren Schweinehund herauszufordern. Für mich bedeutete das durchaus einfach mal, mit 2 Paar Socken, Mütze und Fleece zu campen, am nächsten Morgen bei eisigem Wind möglichst schnell Porridge (gabs jeden Tag) herzustellen und sich dann von der Heizung im Auto langsam wieder auf Temperatur  bringen zu lassen. Ok, wir haben nur die Hälfte der Nächte unserer Woche dort im Zelt verbracht, weil war ja auch Urlaub irgendwie, oder sollte es zumindest sein. Ich fand die Mischung gut, der eine wollte es mehr hardcore, der andere lauschig warm wenn immer es ging. Bei den Preisen dort wird man außerdem nicht nur komfortabstinent, sondern überlegt sich mehrmals ob man denn jetzt unbedingt ein Bier für umgerechnet 7 Euro trinken muss. Also, zumindest hab ich mir das gedacht. Die anderen beiden haben einfach bestellt und sich nachher empört, als wär nur ausgerechnet dort so schweineteuer: “Man, das glaubst du nicht. Das kleine Bier hat 5 Euro gekostet.” – “Doch, glaub ich. Mit ein Grund, warum ichs hab sein lassen.” Ein bisschen back-to-the-roots halt im Endeffekt, auch wenn das nur im Hinblick auf unsere verwöhnt-hedonistische westeuropäische Lebensweise gelten kann, schätz ich.
Irgendwo hatten wir gelesen, die isländische Mentalität gegenüber Touristen ließe sich mit „distanzierter Freundlichkeit“ umschreiben. Fanden wir passend. Auch wenn die erste Interaktion so aussah: Am Flughafen angekommen, geht einer von uns zum Taxifahrer draußen vor der Tür.
„Excuse me, is it possible to pay with Euro? We are not sure if the airport is the right place to change money…“
– „What? You come to Iceland and worry about 2 Euros? Are you going to lose your house now?“
Wo genau is jetz die Freundlichkeit in „distanzierter Freundlichkeit“? Oder die Distanz?
Naja, wir haben dann Geld getauscht und nen anderen Taxifahrer erwischt, der schon mehr Freundlichkeit an den Tag gelegt hat. So freundlich, dass er in suizidal-rücksichtsvoller Weise sogar einer die Straße kreuzenden Katze das Leben gerettet hat durch ein Ausweichmanöver, welches im Gegenzug fast vier erwachsenen Menschen Kopf und Kragen gekostet hätte. Seine Erklärung hatte allerdings was für sich und stieß bei uns auf vollstes Verständnis:
„Yesterday I had my kids in the car and drove over a duck. I never want to have this situation again.“ Wir sind zwar nicht seine Kinder, aber ok, ich mag Menschen die Rücksicht nehmen. Rücksicht is besser als Vorsicht. Nee, andersrum. Nee, auch nicht.
Im Hostel, welches in den allermeisten Fällen wohl eher als Durchgangsstation zum oder vom Flughafen dient („it used to be for people seeking Asylum“), waren wir die einzigen auf weiter Flur, so dass wir den ersten Porridge des Urlaubs richtig zelebrieren konnten, bevor wir den Mietwagen abholten.

Wie inner Werbung. Marke verrat ich aber nich.

Wie inner Werbung. Marke verrat ich aber nich.

Dieser sollte uns gleich am zweiten Tag treue Dienste erweisen als wir über die reudigsten Pisten auf Abraten aller Allradfahrer und ausdrücklichem Verbot der Mietfirma (wie gut, dass meinen Blog niemand liest außer mir selbst) das wunderschöne Wanderparadies Landmannalaugar ansteuerten. Achso, ich will ja der Chronologie halber nix unterschlagen hier: Tag 1 bestand aus dem sogenannten „Goldenen Zirkel“, mit Phingvellir Nationalpark (Aufeinandertreffen der tektonischen Platten, erstes Parlament und Hexenverbrennung und so), Gullfoss Wasserfall (ähnlich viel Wasserdurchlauf wie bei den Niagarafällen, jaja) und Geysir, einem Geysir (und Menschen rund herum, die mit ihrem Finger auf dem Auslöser auf die riesige Ejakulation warten). War ja alles ganz schön, aber richtig toll kann es nirgendwo sein, wo Busladungen an Menschen aus- und wieder einsteigen, man Geld für die Benutzung der Toilette zahlen muss und lächerlich teure Snacks angeboten werden. Obwohl der Wasserfall, der war schon ziemlich geil.

Gullfoss

Gullfoss

Daher zurück zu Landmannalaugar (zum Glück muss ich das Wort nur schreiben und nicht aussprechen. Da hat je nach linguistischer Herkunft ziemliche Narrenfreiheit geherrscht). Berge wie mit buntem Mehl überzogen, Lavawüsten, Moosfelder… und heiße Quellen. Im Tal wartete ein dampfender Fluss, in den man seine von der Wanderung geschundenen Gliedmaßen tauchen konnte und aus dem man eigentlich auch nie wieder raus wollte. Schon auf dem Weg zurück zum Zelt sind mir die Füße einfach eingefroren. Was auch daran gelegen haben könnte, dass ich besonders lässig zurückspaziert bin, um hart zu wirken.

Landmannadingsbums

Landmannadingsbums

Inception: A photographer within a photo of a photographer

Inception: A photographer within a photo of a photographer

Unser internetaffines (freundlich ausgedrückt) Mitglied der Gruppe lotste uns am nächsten Tag (war dann nur noch ein halber Tag nachdem wir unser armes Auto wieder zurück über Stock und Stein peitschen mussten) zu einem Flugzeugwrack aus dem Zweiten Weltkrieg. Am schwarzen steinigen Strand hat es seine letzte Ruhestätte gefunden und wurde zum beschmieren und ausschlachten freigegeben. Trotzdem hatte der Anblick was surreales. Wie inmitten einer Mondwüste tauchte das Wrack plötzlich vor den brechenden Wellen des kalten Atlantiks auf.

Wo immer eine Kamera war, hielt er seine Fresse rein

Wo immer eine Kamera war, hielt er seine Fresse rein

Tag 4 bescherte uns dann einen unverhofften Sonnentag und eine unfassbar spektakuläre Wanderung auf einen der vielen Gletscher: Skaftafell. Was mit einem Spaziergang durch bunte Wiesen begann, endete mit einem steilen Aufstieg auf losem Geröll und durch pappigen Schnee. Ich hab was witziges in das Gästebuch aufm Gipfel geschrieben. Wer demnächst mal da is, kann es dann lesen, ne.

Aufm Weg runter

Aufm Weg runter

Nächstes Highlight: Jokulsalon (flacherweise von uns Friseursalon genannt, denn so wussten wir, dass wir über das gleiche sprechen), der bekannte Gletschersee, der übrigens auch als Drehort für einen Bond-Film hergehalten hat. Da wo Pierce Brosnan mit seinem Aston Martin durch den Eispalast brettert um die Halle Berry vorm Ertrinken zu retten, während der Bösewicht auf seinem Eisgefährt durch die Eisberge braust. Haareraufende Action. Hab ich erst paar Tage nach meiner Reise im ZDF-Montagskino gesehen und gleich wiedererkannt.

Dreckisches altes Eis

Dreckisches altes Eis

Der Eisbergsee markierte zugleich den östlichsten Punkt unserer Reise und von da an machten wir uns wieder auf den Rückweg in Richtung Reykjavik. Über den südlichsten Punkt der Insel, wenn wir schon dabei sind. So ein Kap bzw. ne Küste wie ich sie mir in Irland vorstelle. Ich war zwar noch nie in Irland, aber so muss es da sein: Rau, windig, regnerisch, bisschen grün und auch grau, und viele Felsen. Dort erzählte uns auch eine Frau, um deren Meinung wir eigentlich nicht explizit gebeten hatten, dass ihre Freunde einmal 900 Euro Strafe an die Mietwagenfirma zahlen mussten, nachdem diese per GPS nachvollziehen konnte, welche verbotenen Holperpisten befahren wurden. Nach dieser Info haben wir uns unverzüglich gegenseitig eingeredet, dass unser Gefährt sicherlich nicht im Besitz eines solchen Peilsenders ist. Womit wir glücklicherweise Recht behalten sollten.

Am Skogarfoss, einem ganz und gar eindrucksvollen Wasserfall nächtigten wir schließlich in einem Hostel, wo wir zuerst Kontakt zu einem menschlichen holländischen Wesen in Form einer längeren Konversation aufnahmen und sinnloserweise den Tag mit nem Tom Cruise Blockbuster beendeten. Weils halt möglich war. PayTV.

Da hätte sich Peter André mal drunter stellen sollen

Skogarfoss: Da hätte sich Peter André mal drunter stellen sollen

Die letzte Wanderung am darauffolgenden Tag erforderte uns einiges ab. Ein Stück echtes Abenteuer, als wir zu einer Hütte am Berg marschierten, knietief im Schnee, ohne Plan wie wir eine kleine Schlucht überwinden sollten, da der Schnee den Pfad nicht erkennen ließ. Wir probierten dann unser Glück mit den aufmunternden Worten meines Kumpanen: „Wenn wir das jetzt versuchen, widerspricht das allem, was ich jemals in den Bergen gelernt habe.“ Geil, los! Wir habens geschafft, nervös war ich aber schon. In der Zwischenzeit haben sich Schneesturm und praller Sonnenschein im Minutentakt abgewechselt. Unberechenbar, dieses Island.

Einer der besten Wow-Momente für mich

Einer der besten Wow-Momente für mich

Seht ihr? Keine Spuren vor uns!

Seht ihr? Keine Spuren vor uns!

Meine Fersen sahen danach jedenfalls aus wie fies gefoltert und entstellt, und unsere Wanderschuhe verströmten ein sinnliches Aroma im Auto auf der Fahrt nach Reykjavik, unserer letzten Station. Der letzte Tag hatte dann in etwa folgenden Ablauf: Porridge, klitschnass nach 2 Minuten im Regen, Auto nehmen, 10 Minuten später Auto wieder zurückfahren weil kein Parkplatz gefunden, kein Regen mehr, Museum, die gleiche Straße zum fünften Mal entlang gehen, Kuchen vertilgen, darüber klagen wie teuer alles is, trotzdem wieder delikat speisen, ins Kino gehen, zum Flughafen fahren und Auto irgendwo abstellen („Ihr könnt den Schlüssel einfach stecken lassen“. Aha!).
Mutter Natur hat uns einige neue Dinge gelehrt. Ich glaube, schon die Vikinger haben große Augen gemacht, als ihnen der sturmartige Wind das Pipi in unendliche kleine Partikel zerstäubte. Wie gut, dass es heutzutage Regenhosen gibt, die keine Spuren hinterlassen. Und was gabs noch? Achja: Regenbögen bis zum Erbrechen.