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Ich wollte ein Bankkonto eröffnen vor kurzem. Dazu hatte ich mir einen Termin bei Barclays gemacht, einer der größten Finanzinstitute Großbritanniens und eigentlich schon längst kaputt, wenn der Stabilitätspakt es nicht vor dem Untergang gerettet hätte. Als einflussreichstes Unternehmen der Welt gibt man sich aber natürlich nach wie vor nicht mit so belanglosen Kröten wie mir ab.

So eine Bank sieht von innen bisschen aus wie eine hässliche Hotellobby: steril, ungemütlich, und von oben bis unten durchdesignt. Ein überfreundlicher Empfangsmensch erzählt mir: Jaja, kein Problem, wir brauchen nur eine ID und nen Wisch mit meiner Adresse drauf. Na easy, denk ich, läuft.

Der Anzug-Roboter, der mich zu seiner Schreibtisch-Nische führt, beginnt einsilbig: “Sorry for keep you waitin, Mr. Schilling. Follow me, please!” Dabei hab ich noch nicht mal gewartet und ich war früher dran als eigentlich ausgemacht. Aber erstmal Standardphrase runterdreschen. Mit seinem gelangweilten Bubi-Face grabscht er mir alle Unterlagen aus der Hand, die ich mitgebracht habe und fügt beiläufig hinzu, ohne dass es ihn im geringsten interessiert: “Good day?” Dabei glotzt er schon längst wieder kaugummikauend auf seinen Bildschirm, mit sich niemals änderndem bored face. Ich kann seine Empathie förmlich riechen.

Ich habe einen Arbeitsvertrag und eine persönliche Nachricht meines Chefs mitgebracht, was bei allen meinen Kollegen bei allen anderen Banken gereicht hat. “Your employer is not on our list of employers. There is nothing I can do for you.” Bäm, und tschüss. “I’m sorry!” Ja natürlich, trifft ihn sicherlich mitten ins Herz. “Have a good day!” Wollen wir nochmal drüber reden? Oder wie unflexibel seid ihr? Aber ich will eh schon längst da raus.

Sowieso kommt mir die Londoner City mit all seinen gläsernen Hochhäusern, Anzug-Menschen und Shopping-Zombies vor wie ein einziges Krebsgeschwür. Ich stell mir vor, wie von hier aus die halbe Weltwirtschaft in die Tonne getreten wurde. Und das Geschwür wächst immer weiter und weiter. Scheinbar lässt sich inmitten interkultureller Subkulturen und urbaner Anonymität genauso ungeniert die Solidargemeinschaft prellen wie auf karibischen Offshore Inseln, die man auf Anhieb nicht mal auf der Weltkarte finden würde.

Jedoch hat die alte City auch richtig tolle Seiten. Eine Jack the Ripper Walking Tour sollte uns einen Eindruck vom düstereren und verwinkelten Teil der Stadt geben. Und das hat sie auch getan, obwohl der Tourguide die meiste Information nur in seinen Bart genuschelt hat und uns bei eisiger Kälte Ewigkeiten die Themse hat entlang latschen lassen, so dass die Gruppe von 25 Leuten nach kürzester Zeit auf eine Handvoll zusammengeschrumpft war.

Das älteste Pub Londons sollte man aber durchaus mal besucht haben, ein sehr sehr cooles Kellergewölbe auf mehreren Ebenen, wo man sich alle 2 Meter hart die Birne anstoßen kann wenn man nicht aufpasst. Dort ausgestellt in ausgestopfter Form ist ein Papagei, der früher wohl ständig die Gäste beleidigt hat wenn sie reinkamen. Schade, dass der schon tot war, das hätte mich sehr amüsiert.

Die ganzen Pubs laden einen auch wirklich zum Bier trinken ein. Wenn das Gesöff an überdimensionalen Knüppeln ins Glas gepumpt wird, macht mich das immer auch ein bisschen an. Und Cider trinken tu ich neuerdings auch. Wusst nich, dass das so super is. Wie Apfelschorle mit Effekt.

Die englische Kultur hat schon seine herzigen Seiten und ich fühl mich wohl hier. Bloß zu voll hier. Stundenlang durch die Schächte irren, nur um die U-bahn-Linie zu wechseln, und so ne Späße, das wär mir auf Dauer too much. Soviel mal als kleines Update für alle, die es tatsächlich interessiert…

Architektur in Canary Wharf

Architektur in Canary Wharf

Greenwich

Greenwich

Fluss halt

Fluss halt

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