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Tag Archives: Bermondsey

Bier und Tischtennis

Warum nicht einfach mal über nen schönen Tag bloggen, den man hatte? Wo man abends denkt: Boah, bin ich am Arsch, aber war echt geil heut. Das sind auch meistens Tage, bei denen man es morgens noch nicht unbedingt erwartet hätte. Vielleicht liegt das daran, dass wenn man sich auf irgendwas schon lange richtig freut, der emotionale Zugewinn am Tag selber nicht mehr so großartig sein kann.

Als wir um 11 Uhr morgens den Himmel über London inspizierten, schwahnte uns böses. Sah nicht unbedingt nach Brewery Crawl aus da draußen. Einige Mikrobrauereien öffnen samstags mittags die Pforten und bieten ihre Biere der Öffentlichkeit zur Verkostung an.

Schlabber Schlabber Schleckermäulchen

Schlabber Schlabber Schleckermäulchen

Bier gleich nachm Frühstück, mhmm. Draußen im Winter. Bei dem Wetter? Naja, es klart langsam auf, die Sonne sagt Hallo. Also ab geht’s. Und der Londoner Winter ist auch nicht so furchteinflößend.

Um nach Bermondsey, den scheinbar heimlichen Hort unabhängiger Braukunst, zu kommen, überqueren wir die Tower Bridge südwärts, bis uns unter den Bahnschienen bald schon die erste Bierbankgarnitur anlächelt. Wir probieren uns durchs Biersortiment, aber so richtig vom Hocker reißt uns keins. “I don’t like yours. And I don’t like yours either. Oh, no, that’s not mine, too. I like mine. I think.”

Halt Nr.1

Halt Nr.1

Kurz Zeit zum kontemplieren über den Unterschied von Ale und Lager, Kegs und Casks, die Zutaten, Deutsches Reinheitsgebot und die eigenen Vorlieben was den Brotsaft betrifft. Kleine Gläser, große Gläser, die Mass in Bayern – dann natürlich kurz Oktoberfest, wenn man schon über Mass redet, – wieviel Kohlensäure, was heißt fruchtig…

Bevor wir es überhaupt zur zweiten Verköstigung schaffen, bleiben wir im Fressparadies hängen. Entlang der Bahngleisenüberführung drängeln sich Leute durchs Geschmacks-Schlaraffenland. Der “Ropewalk” beherbergt zwischen Grilled Cheese Sandwiches, Honig Bier und Scotch Eggs auch einen Antikladen, dem ich jedes zweite Möbelstück ohne weiteres hätte abkaufen können. Wenn ich Geld hätte.

Also weiter mit übergroßem Teller aus orientalischen Köstlichkeiten und frischen Falafeln in der Hand zum nächsten Bier. Und ach, welch Gaumenfreude uns erwartete. Ich bin ja mittlerweile soweit, mich zu gegebenem Anlass einem Guiness hinzugeben, aber so richtig geil find ichs jetz auch wieder nicht. Dort gabs sowas ähnliches, aber lecker. Wirklich fast alles, was die jungen Burschen da bei Ansbach & Hobday aus ihren Hähnen fließen lassen, schmeckt vorzüglich.

Die bunte Welt der Biere

Die bunte Welt der Biere

Entweder ist die letzte Brauerei unserer Tour der heiße Scheiß schlechthin, oder umso später, umso mehr Biertrinker auf den Straßen. Jedenfalls wird die englische Trinkkultur nun spürbarer: Möglichst früh möglichst viel Biersaft in sich reinkippen. Auf der anderen Straßenseite stehen 4 Polizeiautos und so ein paar rumlungernde Kids. Irgendwie The Wire mäßig. Aber in dieser karnevalsartigen bierseeligen Stimmung in einer übergroßen Garage wirkt die Szene surreal.

Was mir aber dann irgendwann auffällt: Dass ich mal wieder mein Winterschuhe mit Lammfelleinlagen nicht angezogen habe. Oft denk ich nicht mal für 5 Pfennig. Trottel. Auf dem Rückweg kauf ich noch schnell was geschmackvolles für den Eingangsbereich meiner Unterkunft. Will mich wer als Innenausstatter einstellen? Das wär ein Job für mich, glaub ich.

Nix gegen halbe Sachen

Nix gegen halbe Sachen

Da wusste ich noch nicht, dass der Abend der verzeitige Höhepunkt meiner aktiven Tischtennis Karriere werden würde. Die Wilton’s Music Hall hat zum Ping Pong Turnier eingeladen. Schon seit meinen ersten Tagen in dieser Stadt, in denen es mich in dieses nahegelegene Pub gezogen hat, wollte ich mir die älteste Music Hall Londons (so hat es mir zumindest mal einer erzählt) von innen ansehen. Sie ist durch einen kleinen Flur an das Pub angeschlossen und hostet vielerlei Events, seit sie mit Hilfe von engagierten Leuten aus der Gegend und Spenden wieder alten Charme versprühen darf.

Nachdem ich meiner ersten erstaunten Gegnerin erstmal die Regeln erklären musste, kam im Laufe des Turniers dann mehr und mehr das zustande, was ich als Tischtennis bezeichnen würde. Glücklicherweise konnte ich durch meinen Sieg gegen den allseits gefürchteten kleinen Jogginghosen Mann in voller Joola-Sponsoring-Montur und durch meinen sensationell groovy Auftritt das Publikum für mich gewinnen.

Ping Pong @ Wilton's

Ping Pong @ Wilton’s

Die Gründe für meine Niederlage im Finale liegen auf der Hand: Zuviel Bier in der Vorbereitung und zuviel Druck durch den Zuschauerandrang. Eine nervenzerreißende Atmosphäre. Spannung zum Anfassen. Damit kann ich nicht umgehen. Mein Gegner hat einfach sein Ding abgespult, der olle Rampensau-Routinier.

Danke an meine Fans, die waren toll! Das hat mich am nächsten Tag immer noch beeindruckt. So wie mein Muskelkater. Vom Kneipensport.

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