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Monthly Archives: December 2012

Von der Schwierigkeit „Nein!“ zu sagen

Bei uns muss letztens ‘Tag der offenen Tür’ gewesen sein. Anders kann ich mir nicht erklären, warum gleich drei Gestalten innerhalb eines Tages an unserer Tür klingelten.

Eine kam von „den Holländern“, wie sie selber sagte. Es ging um Ökostrom. Mein Glück. Denn wir haben bereits vor einigen Monaten auf Ökostrom umgestellt, daher konnte ich die Dame überzeugend und mit freundlicher Leichtigkeit abwimmeln.

Die zweite Trulla kam von der Telekom. Da schrillten bei mir gleich die GEZ-Alarmglocken. Die schrillen sowieso jedesmal, wenn es unangemeldet an der Wohnungstür bimmelt. Vor allem, weil sich irgendwo tief in mir drin der Wunsch festgesetzt hat, solchen Heinis einmal die Tür aufzumachen, um sie ihnen dann schroff wieder vor der Nase zuzuknallen. Ich stelle mir das als wirklich große Genugtuung vor, da ich gegen den Laden über die Jahre einen gesunden Hass aufgebaut habe, den ich hoffe, an der richtigen Stelle einmal entladen zu können. Dass da jetz kurz vor Jahresende jemand kommt, um auch noch die letzten Schwarzseher ausfindig zu machen, ist zwar mehr als unwahrscheinlich, aber ein gewisses Maß an Misstrauen vor Leuten, die einfach so klingeln, mit einem Klemmbrett für Seriösität und nem Ausweis für Autorität in der Hand, ist nie verkehrt. Fiese Trickser gibt’s ja überall. Mir hat man z.B. grad vom „Podolski-Trick“ erzählt, der in Köln anscheinend vermehrt Anwendung findet. Irgendwelche Spacken von der Straße animieren Besoffene, mit leeren Cola-Dosen rumzukicken, um sie dann um ihre Wertgegenstände zu erleichtern. Wie das genau funktioniert und was das eine mit dem anderen zu tun hat, konnten die mir aber nicht erklären. Und dass Poldi da reingezogen wird, nur weil jemand Müll vor sich her tritt, find ich auch irgendwie unverschämt. Naja, ich war jedenfalls auf der Hut. Hab die Haustür nur so weit aufgemacht, dass ich meinen Kopf nur unter Schmerzen da durchpressen konnte. Meine grundsätzliche Abwehrhaltung sollte ich ihr damit schon vermittelt haben. Am liebsten hätt ich die Tür beim Anblick ihres magentafarbenen Ausweises eh gleich zugeballert, aber das trau ich mich dann doch nie. Und die Strategie, die die Leute gern in der U-Bahn anwenden, wenn die Fahrt mal wieder durch fragwürdige Straßenmusik oder eine Geschichte aus dem Leben eines armen Schweins bereichert wird, – sich schlafend zu stellen – , funktioniert in dem Fall leider auch nicht. Obwohl es mal einen Versuch wert wäre: Tür aufmachen, Nervenbold identifizieren, Augen zu und Schnarchgeräusche simulieren. Das probier ich mal! Nein, tu ich natürlich nicht, dafür sind die gesellschaftlich-sozialen Konventionen zu tief verankert, verdammich. Ich hab dann doch brav ihre Fragen beantwortet, kurz und knapp und weniger mit Blick auf den Wahrheitsgehalt meiner Antworten als auf ein zügiges Beenden des Verhörs. „Nee, keine Probleme mit dem Internet. Nee, kein Knacken in der Telefonleitung. Nee, alles wunderbar. Ja, gleichfalls. Tschüss!“

Die dritte Figur vor meiner Tür war von Bofrost. Vergleichsweise harmlos. Aber genau das ist das tückische daran. Man kann nicht „Nein“ sagen, weils ja irgendwie banaler Scheiß ist und der Typ mir auch ein bisschen Leid tut, durch den Schnee stapfen zu müssen, um Leuten Tiefkühlkost anzudrehen. Erst drückt er mir ein Hochglanzheftchen mit gefrorenen Köstlichkeiten aus der Convenient-Welt in die Hand, die so delikat wie in dieser Broschüre niemals mehr aussehen werden. Dann die als beiläufige Dienstleistung getarnte Frage: „Wir würde Sie dann in den nächsten Tagen anrufen und nachfragen, ob Sie was gefunden haben, wenn das in Ordnung ist?!“ – „Ähhhhhh, pff, joaaa, warum nich!?“ Ich weiß eh schon, dass niemand in meiner WG bei Bofrost bestellen würde. Ich dachte übrigens auch, die gibt’s gar nicht mehr. War mir sicher, das Verkaufsmodell, mit dem Bimmelwagen durch die Siedlung zu tuckern, sei längst gescheitert. Scheinbar nicht. Ich weiß, dass wir früher zu Hause öfters mal gefrorene Reibekuchen hatten, was ich extrem geil fand. Aber mittlerweile bin ich mehr fürs selber machen. Meine WG auch. Und wenn ich nächtens völlig hacke nach Fast Food lechze, dann hat die Frittenbude immer noch leichte Vorteile gegenüber gefrorenen Kartoffelpuffern. Aber mal anrufen können die ja ruhig, tut keinem weh. Erteile ich Ihnen die Absage halt dann. Natürlich voll überflüssig, dass es erst einer anonymen Gesprächspartnerin am anderen Ende der Leitung bedarf, damit ich mich traue zu sagen, dass ich kein Essen aus ihrem Katalog bestellen möchte. Ich hätte sogar noch die Chance gehabt, die ganze Farce vorher schon zu beenden. Der Mann an der Tür hat natürlich nen Punkt, wenn er sagt: „Dann bräuchte ich Ihre Telefonnummer…“. Mist, ja klar, der brauch natürlich meine Nummer, sonst kann da keiner anrufen. Ich diktier ihm meine Nummer, und vor jeder einzelnen Zahl denk ich: „Geb ich ihm jetz ne falsche Nummer?“ Nä, auch zu feige. Ich häng schon zu tief drin.

Zwei Tage später kommt der Anruf. Zwischen dem Rauschen und Knistern und dem hintergründigen Call Center Gebrabbel kann ich eine Stimme identifizieren: „krr pffsz knarz… bofrost, schönen guten Tag… szgtzs krzz knatter zzrztt.“ – „Ich kann Sie kaum verstehen, ich habe sehr schlechten Empfang bei mir, tut mir Leid.“ Böser Fehler. „nznznf sdjrj fhhfhs …rufen einfach später nochmal an… ddzlg shj tzshdl.“ Nä! Jetz muss ich endlich die Reißleine ziehen, denk ich und brüll ins Telefon: „Falls Sie mich hören können: Wir haben uns Ihre Broschüre angeschaut, aber konnten uns für keines Ihrer Produkte entscheiden!“ Dann die Erlösung: „ksrz poff rausch… nehmen Sie aus der Liste raus… wtzhf zisch knack.“ Das hätt ich auch einfacher haben können.

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A Kuismes Stohui

Lang, lang ists her seit ich das letzte mal was gepostet hab hier. Bloggen setzt einen doch irgendwie unter Druck, geistige Ergüsse zu produzieren. Manche können was ausm Ärmel schütteln, manche nicht. Ich nicht.

Aber zu Weihnachten gibts dafür was ganz besonderes: Ein bisschen sinnloses Gebrabbel in Audioform. Im Mix des Monats Dezember werden ein paar delikate Scheiben mit meiner Stimme untermalt. Alles sehr sparsam natürlich, so geil find ich es nun auch wieder nicht, mich reden zu hören.

UPDATE: Wer weiß, wie ich zuverlässig Mixcloud embedden kann? Wenn ichs mal hinbekomme, dann ändert sich sofort der Pfad. Auf anderen Seiten scheints aber doch auch zu gehen. Ich könnt so richtig ab-cozen…

UPDATE 2: Danke, Jens!