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Warum liegt denn hier Stroh? Ah, ne Krippe!

Wahrscheinlich sollte der Vorsatz fürs neue Jahr sein, bisschen regelmäßiger was zu schreiben. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass ich nicht untätig war: Eine Abschlussarbeit und ein “richtiger” Artikel wollen auch erstmal verfasst werden.

Wenigstens sei euch für Weihnachten was mit auf den Weg gegeben. Für die Ohren und die Psyche, für ein bisschen mehr Ausgeglichenheit zum verkaufsoffenen Sonntag. Verlasst bloß nicht das Haus!

 

 

Oktember

Warum enden alle Monate nach dem August mit “ember” außer dem Oktober?

Tja, denkt mal drüber nach!

Alles Kriminelle!

Heute wurden mir die Augen geöffnet. Euro-Krise, Syrien, Breaking-Bad-Spoiler-Alarm…, alles nich so wichtig angesichts der schockierenden Zustände in Deutschlands (Klein-)Städten. Wer schonmal “Mein Revier” (beim unmotivierten zappen denk ich immer wieder aufs Neue erstmal: Worum gehts denn in “Mein Neuer”?, weil dieses Logo am unteren Bildrand eigentlich nur verwirrt. Aber dann ists wieder ok, weil “Mein Neuer” wäre bestimmt NOCH schlechter, wenns die Sendung denn gäbe) auf RTL 2 geguckt hat, der weiß, wie tagtäglich hierzulande graue Mäuse von Menschen hemmungslos das Gesetz brechen und wenn sie dann von Braindead-Bürocratus ertappt werden, mit Kulleraugen so tun, als seien sie sich ihrer kriminellen Machenschaften gar nicht bewusst.

Da ist zum Beispiel dieses Null-Acht-Fuffzehn Mittvierziger-Päarchen, das man nur deshalb nicht übersieht, weil SIE eine gelbberahmte Brille vom lokalen Optiker zu ihrer Katalogfrisur trägt. Die kommen grad aus Ägypten oder so, irgendwo wo es warm war, Neckermann Halbpension anbietet und man für Souvenirs den eigenen Hotelkomplex nicht verlassen muss. Da denkt sich der Zoll am Flughafen: Bei denen gucken wir doch mal in den Koffer, ob die nicht ne Stange Zigaretten zuviel in ihr Köfferchen gestopft haben. Schmuggel! Eigentlich ahnen die Beamten das auf Grund ihrer Röntgengeräte ja schon, aber ein bisschen an der Nase herumführen macht den Hebel, an dem sie bereits sitzen, noch ein bisschen länger. Der Zollbeamte freut sich wie bolle wenn der was findet, ehrlich, der nennt das dann “Glück haben”. So wie bei den Drei Fragezeichen spielt der Detektiv und entdeckt (jetz pass uff!) bei den Besitzern des Koffers auch noch ne Packung Shisha-Tabak in der Plastiktüte. Ui, dicker Fang. Das riecht nach Daseinsberechtigung und einer knorken Geschichte für die Kollegen in der nächsten Kaffeepause. Das irritierte Päarchen, das pflichtbewusst alle Quittungen ihrer in Übersee erworbenen Klamotten aufbewahrt hat, versucht die unangenehme Situation nach dem klassischen Motto “Wir ham ja nix zu verbergen!” und “Sie machen ja nur Ihre Pflicht!” wegzulächeln, aber dieser Hauch von Kriminalisierung endet in gestressten Talggesichtern.

selber schuld!

Oder hier, anderer unfassbarer Fall, wirklich wahr: Parken in einer Feuerwehrzufahrt, um das Kind vom Kindergarten abzuholen. Heavy! Da kommen die Jungs vom Ordnungsamt dementsprechend mehrmals täglich hin, weil die wissen, da kriegt man immer wen dran. Bei ner “Uneinsichtigen” zückt der eine im Nachhinein den Notizblock, und sagt: “Mimimimi, die war aber frech, die kriegt jetzt doch noch ein Knöllchen. Das hatse jetz davon. Kannse ma sehn. Mimimimi!” Wenn Sätze schon so losgehen: “Juu-hunger Mann/ Juu-hunge Frau…. Sie wissen schoo-hon, dass Sie hier nicht halten düüürfen…?!”, so oberlehrermäßig, da kann doch niemand ruhig bleiben. Im letzten Kaff, in der hintersten Ecke, bei strömendem Regen noch die Erklärung hinterher: “Ja, wennet jetz hier brennt, dann kommt die Feuerwehr nich durch und dann verbrennen Sie und Ihre Kinder.” Glaubwürdig. Auch gut: “Nich ma wenden is hier erlaubt. Aber wenn hier mal jemand dreht, dann lassen wir das auch mal durchgehen.” Danke, der rigide Befehlsgehorsam hat noch nicht sämtliche Gehirnareale deaktiviert.

Dann fahren die beiden weiter zu einem Parkplatz, der so trist und verloren aussieht, dass ich da bitte niemals hin will. Aber da hat der eine Ordnungshüter vor zwei Wochen nen abgestellten Wohnwagen gesehen. Und wenn der immer noch an der gleichen Stelle steht, dann wird er abgeschleppt. Kümmert keinen, dieses verlassene Eck, wenn da nicht der Kollege in seinen Block aufgeschrieben hätte, wie die Ventile der Räder das letzte mal gestanden haben. Dieses Hightech-Verfahren scheitert dann nur daran, dass er die Tabelle verkehrt ausgefüllt hat, mensch. Also kriegt der Verdächtige nochmal zwei Wochen Aufschub. Aber dann wird abgeschleppt, kannste sicher sein.

Man kann förmlich sehen, dass nicht mehr hinterfragt wird, was die da eigentlich tun. Harmlosen Figuren eins reinzuwürgen, wird zum durchbürokratisierten Sport. Da findet sich scheinbar eine Beamte, die noch nen Funken Emphatie verspürt. Die haben da irgendwie nen Schwarzarbeiter aufgegriffen, der seit mehreren Jahren illegal im Land ist, weil er irgendwelche Papiere nicht fristgerecht eingereicht hat. “Schon traurig, oder? Der hat hier schon ein soziales Umfeld und so, und jetz wird er einfach abgeschoben?” Der abgestumpfte Kollege: “Egal. Der hatte Zeit genug, die entsprechenden Papiere auszufüllen, hat er aber nicht gemacht.” Wo Menschen bei eingepferchten Bürospießern zu Aktenzeichen degenerieren und die eigentlichen rücksichtslosen Heuchler zu treuen Handlangern deutscher Tugenden stilisiert werden.

Man sollte ja meinen, dass die im Fernsehen wenigstens den Anschein aufrecht erhalten wollten, sture Regelbefolgung durch auswendig gelernte Sprüche zu legitimieren, aber die Mühe macht sich da echt keiner mehr, weder RTL 2 noch unsere StaatsdienerInnen selber. Zum Glück sind mir so ne Typen im wahren Leben bisher weitestgehend erspart geblieben, was mich positiv stimmt. Aber RTL 2 nimmt uns ja immer mal wieder gerne mit in mentalen Abgründe des scheinbar Banalen.

Ekelhaaf!

Wie so ein Tag aussehen könnte, an dem man Sentinel-Kaspar-Hauser-mäßig alles um sich herum so dolle wahrnimmt, dass man kurz davor ist, Plaque zu kriegen:

Für die ehrenvolle Aufgabe, eine Abschlussarbeit zu verfassen, sucht man dann doch häufiger die Bibliothek auf. Ich könnte auch zu Hause wunderbar arbeiten, wenn da nicht die Frau mit der Raucherstimme wär , die unten im Hof immer ihren Köter zur Raison bringt. Oder der Typ, der mir nichts dir nichts mit seiner Anlage den kompletten Komplex mit Punkrock beschallt. Also lieber der deprimierende Nachkriegsbau von Bibliothek, in dem die Zeit still zu stehen scheint.

Die schönsten Plätze dort sind die ohne Nachbarn. Dauert nur nicht lange, bis der erste sich links neben mir den Tisch krallt. Er knallt sein Netzteil auf den Tisch, lässt sich ächzend auf dem Stuhl nieder und knistert gefühlte fünftausend Jahre in seiner kack Tüte rum. Knister Knister Raschel Knister. So viele Bücher passen da gar nicht rein, so lange, wie der da drin rumfummelt. Ich bin leicht gereizt. Jetzt schon. Dann packt er sich seine Wasserflasche und nimmt ein Schluck aus der Pulle. Denk ich. Aber scheinbar hat der Herr seit ner Woche keine Flüssigkeit mehr zu sich genommen. Wie ein ausgedorrte Pflanze, in die man immer weiter Wasser reinkippt in der Hoffnung, dass die sich schon wieder berappelt, wenn man nur nicht aufhört, die förmlich zu ertränken, schüttet er sich lautstark sein Getränk hinter die Binde. Schluck schluck schluck. Ich kann mich auf nix anderes mehr konzentrieren als auf den überstreckten Hals neben mir, der das wahrscheinlich extra macht, wie in dieser Cola light Werbung mit dem sexy Bauarbeiter-Model. Ich hätte nie gedacht, dass mich Schluckgeräusche so dermaßen anwidern können. Leider stellt sich raus, dass der Typ nicht nur laut trinkt, sondern auch zur Gruppe der Tastatur-Vergewaltiger gehört. Der drischt auf seine Tasten ein, dass mir sein Laptop leidtut. Das kann ich erst recht nicht leiden. Ich leg ne Pause ein, bis der sich beruhigt hat.

Gerade sitze ich wieder an meinem Platz, lässt sich jemand zu meiner Rechten nieder. Was hat der in der Hand? Ne Pulle voll mit Cassisschorlenplörre ausm Discounter. Während er auf facebook routiniert sein Profil pflegt und seine Likes abarbeitet, nimmt er immer mal wieder einen beherzten Schluck. Und so LAUT! Man, warum so laut? Und warum immer wieder in fast regelmäßigen Abständen riesige ohrenbetäubende Schlücke? Ich würde dem so gern sein Zuckergesöff in die Tastatur kippen. Ich mache ja eh nur noch eine halbe Stunde, denk ich, ruhig Blut.

Also raus aus der Bib, rein in die S-Bahn. Rein in die 50 Grad-Schweiß-Hölle, in der alle so apathisch auf ihren Sitzen kleben, dass scheinbar keiner mehr merkt, dass so ein Waggon Fenster besitzt. Man muss sie nur aufmachen. Extra umständlich öffne ich eins jener Fenster, und ich glaube, einige von den Zombies lassen durch ihre Höhlenaugen so etwas wie Anerkennung und Dankbarkeit durchblitzen. Bis eine Station später jemand einsteigt, und ohne mit der Wimper zu zucken das einzige Fenster schließt, was die Leute davor bewahrt, den Hitze- und Erstickungstod zu erleiden. Ich kann das irgendwie nicht ganz fassen. Was in so jemandem vorgeht…!?

Ich versuche mich, in meine eigene Welt zurückzuziehen, weil ich so viel panne Honkitonks nicht mehr ertragen kann. Und fahre drei Stationen zu weit.

 

Unseren täglichen Fraß gib uns heute

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Als Kind hab ich sie geliebt, die prickelnden Limonaden in den verschiedensten Geschmacksrichtungen, die ich zu den Ferienspielen mitnehmen durfte. Die konnten gar nicht künstlich-chemisch genug schmecken. Hauptsache glitschig süß. Sylvester und Geburtstage machten auch deshalb so viel Spaß, weil sie kulinarischen Ausnahmezustand bedeuteten. Später dann rückten diverse Fast-Food-Ketten in meinen Begierde-Fokus. Die kleinstädtische Sozialisation führte eben auch dazu, dass Ausflüge in die Schnellrestaurants der Großstadt zum nachmittäglichen Highlight avancierten. Wofür ältere Freunde mit Führerschein so alles gut waren früher. „Ey, Bock zu Mcess zu fahren?“ -“Kloar! Wann biste hier?“

Auch in Ländern, in denen es massenhaft geiles Essen gibt, kommt man nicht drum herum

Auch in Ländern, in denen es massenhaft geiles Essen gibt, kommt man nicht drum herum

Im Nachhinein betrachtet halte ich es meinen Eltern jedenfalls zu Gute, dass derartige Exkurse in die Welt der Plastikernährung die Ausnahme geblieben sind, quasi Kollateralschäden eines Mittelwegs zwischen Verbot und Laissez-faire. Zwar kann ich nicht behaupten, dass die Kochkünste meiner Mutter immer eine geschmackliche Erleuchtung gewesen sind, wenn ich aber daran denke, wie einer meiner damaligen Mitschüler regelmäßig seinen aus Schokoriegel und Brause bestehenden Pausensnack auspackte, dann bin ich schon für den Versuch dankbar. Klar, es umgab uns alle irgendwie auch der Neid beim Anblick von den süßen Sachen, aber wenn es sein musste, dann wurde halt mal ein bisschen Taschengeld geopfert für ein Snickers vom Büdchen. Schließlich waren wir Kinder, was bedeutet, dass der- oder diejenige mit dem Frischkäse-Radieschen-Schwarzbrot aus der Tupperdose es nicht unbedingt immer leicht hatte. Zwischenmenschlich gesehen. Aber irgendwann werden wir alle älter, und man sieht ein, dass der selbstverständliche Umgang mit auf Dauer schädlichen Lebensmitteln nunmal eine Pfadabhängigkeit schafft, die nicht mehr so leicht rückgängig zu machen ist.

Zum Glück wurde ich nie mit absoluten Verboten maltretiert, denn dadurch hätten die verbannten Früchte aus der Convenient-Welt erst Recht an Strahlkraft zugenommen, schätze ich. Das ist aber auch so ziemlich die einzige Weisheit in Bezug auf die Ernährung von Kindern, derer ich mir glaube, sicher zu sein. Dazu nehmen junge Erwachsene auch viel zu häufig ein ausgeprägtes Reaktanzverhalten ein, um sich möglichst weit von den Einstellungen und Verhaltensweisen der eigenen Eltern zu distanzieren. Dieser Graben wird wohl umso geringer, umso mehr sich die Erziehung in der Mitte zwischen diktatorischem Zwang und völliger Gleichgültigkeit ansiedelt.

Trotzdem ist die Unsicherheit darüber, was gesund ist und was nicht, wo ein Auge zugedrückt werden kann und wo lieber nicht, enorm. Vor allem, wenn einem die Werbung vorgaukelt, ihr Produkt sei durch „extra Calcium“ super für das Wachstum und die Extra-Portion Vitamin C mache das angepriesene Getränk zum unverzichtbaren Bestandteil einer verantwortungsvollen Ernährung. Man könnte sich natürlich auch auf die anderen Zutaten konzentrieren: „Mit 50% Zuckeranteil. Damit ihrem Sohnemann schon bald die Zähne abfaulen.“ Oder: „Diabetes leicht gemacht!“ Oder: „Mit reichlich Konservierungsstoffen, deren Auswirkungen wir nicht kennen.“

echte Früchte!

echte Früchte!

Dabei wird Eltern auch noch zusätzlich das Leben schwer gemacht, indem Unternehmen gezielt bei Kindern für ihre süße Plörre werben. Nicht nur sind Kinder für solche Manipulationsversuche besonders empfänglich, sie finden zudem nunmal Nahrungsmittel umso toller, je süßer sie sind. Wehe, jemand kam beim St.-Martins-Umzug auf die Idee, als Belohnung für meine schicke Laterne und hochklassige Gesangsperformance Mandarinen in meine Tüten zu packen. Wie doof war das denn?! Süßkram musste es sein. Da lasse ich mir natürlich auch gerne einreden, dass das zusätzlich gesund sein soll. Mama und Papa bleibt da nur die Rolle des Spaßverderbers: „Nein, jetzt nicht! Nein, das ist ungesund! Nein, es gab doch erst gestern Schokolade!“ Na und?!

Achso, vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich (noch) gar keine Kinder habe, aber ich stelle mir das schon fies vor. Das heißt nicht, dass den Erziehungsberechtigten die Verantwortung abgenommen werden soll, ihre Schützlinge auf die Tücken der (Ernährungs-)Welt vorzubereiten, aber mit weniger dreisten Ablenkungsmanövern und Störfeuern durch die Lebensmittelindustrie wäre es durchaus leichter.

Heute koche übrigens ich für meine Eltern, wenn ich zu Besuch in der alten Heimat bin. Dabei schnapp ich mir meistens erstmal die ganzen eingefrorenen Reste aus dem Tiefkühler (einfrieren ist in dieser Generation ein Hobby, oder?!) und improvisiere. Anfänglich sorgte es noch für Verwirrung, wenn ich die Gewürzmühle auf den Tisch gestellt und mehr als 4 Zutaten im Essen verarbeitet habe, aber mittlerweile entfalten sich auch für meine Eltern neue Geschmackswelten jenseits von zu Brei gekochten ungesalzenen Nudeln und tiefgekühltem Frühlingsgemüsemix. Aber hey, da waren immerhin jene Nährstoffe drin, die ich zum Spielen benötigte und die ich nicht bekommen hätte, wenn ich mir für 5 Mark was geholt hätte. Das wäre wahrscheinlich ziemlicher Scheißdreck gewesen. Und Scheißdreck sollte die Ausnahme bleiben.

Vom Ökotum und Kampfradlern

Ich fahre mal wieder nachts mit der letzten S25 nach Hause. Ich dachte ja, die gehören nicht zusammen, im Gegenteil, dass die zotteligen Jungs in ihrem Viererabteil den buntfrisierten Mädels gegenüber irgendwie blöd kommen oder so. Aber scheinbar kennen die sich und möglicherweise geht es um eine bestimmte Band, zumindest meine ich das aus folgendem Dialog heraushören zu können.

Bursche: „Ey, was machen die denn für Mucke?“

Mädel: „So Öko-Hippie-Metal.“

Bursche: „Und welche politische Ausrichtung haben die?“

Mädel: „Hm… Öko halt!

Ich denk sofort: „Is die blöd, alda. Links oder rechts?!“ Und dann mach ich mir Gedanken, wo sich „Öko“ denn so ansiedelt im politischen Kontinuum. Klar, man könnte meinen, öko is gleich grün, also irgendwie links. Aber gleichzeitig doch mittlerweile auch total bürgerlich, überall öko und bio, wo man nur hinschaut. Und dann gibt’s da auch noch die Rechten, die aufm Land nach orientierungslosen Jugendlichen fischen und die genmanipulierten Mais in ihrer geisteskranken Logik gleichsetzen mit der Vergiftung des reinen Volkskörpers. Öko kann alles sein. Begriffe sind dazu da, um ihnen im Kontext der eigenen Perspektive neue Bedeutung zu geben.

Ich dachte auch immer, Radeln sei ne spitzenmäßige Sache. Als überzeugter Radfahrer hab ich mir eingebildet, die Umwelt zu entlasten, die Stadt ein bisschen weniger zu verstopfen und den Aggressionen zu entkommen, die irgendwie zwangsläufig jeden Autofahrer und jede Autofahrerin im Stadtverkehr irgendwann ereilen muss. Wir sind die Guten, hab ich immer gedacht.

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Zack Bäng, nix da! „Kampfradler“ alle miteinander! Fußgänger fürchten um ihr Leben, wenn die Rabauken wie die tasmanischen Teufel über die Bürgersteige fetzen. Wenn ich so vom gemeinen „Kampfradler“ höre oder lese, stell ich mir immer kriegsbemalte Durchgeknallte vor, die so braveheart-gladiator-mäßig nichts mehr zu verlieren haben, und mit ihrem panzerartigen Gerät á la Platz des himmlichen Friedens von hinten wehrlose Fußgängerzwerge überrollen. Und dann hinterher brüllen: „Pass doch auuuuf, du!“, um anschließend ihren Pfad der Zerstörung unter Gejohle fortzusetzen. Wenn du die Klingel hörst, ist es schon zu spät und du wirst gnadenlos niedergemäht.

Letztens erst wär ich fast in die Fahrertür eines parkenden Autos gekracht, die so ein Otto achtlos aufgerissen hatte, als ich gerade vorbeiradeln wollte. Die Schuld ist selbstverständlich beim Kampfradler zu suchen, worauf er mich auch dankbarerweise entschlossen hinweist: „Guck doch, wo du hinfährst!“ Ja klar, ich muss mich entschuldigen, denn natürlich schau ich ab sofort vor jedem Auto, das ich passieren will, ob nicht zufälligerweise jemand gerade in dem Moment aussteigen will. Ich rücksichtsloser Halunke, ich. Aber gut, er macht ja im Grunde nur von der Grundregel Nr. 1 des Straßenverkehrs Gebrauch: Schuld sind immer die Anderen.

Jedenfalls weiß ich neuerdings: Radfahrer sind auch böse und öko ist irgendwie alles. Wieder eine Graustufe mehr in meiner Welt, die ich doch so gern schwarz-weiß hätte.

Exklusiv: Armutsbericht inkontinent

Der Armutsbericht rotiert ja bekanntlich noch solange durch die „Ressortabstimmung“ unserer geheiligten Führer, bis er sich flockig liest. Ich weiß aber schon, was drin steht. Ich leake. Es läuft so richtig flüssig raus aus mir, es spritzt schon fast aus allen Nähten. Eigentlich weiß ja eh jeder, wie gut es uns allen „Schlechtrednern“ geht, obwohl einem die Realität geradezu permanent gegenteiliges in die Fresse klatscht.

Wir reden uns doch nur arm! In Afrika is man arm. Hier nich. Weil ich meinen Lebensstandard natürlich nicht mit dem meines Nachbarn vergleiche, sondern mit dem eines Wellblechhüttenbewohners in Somalia. Im Gegensatz zu dem geht’s mir doch gut. Wasn Glück. Und ich beschwer mich auch noch. Darf ich bitte bitte für 5 Euro brutto einer mir nicht vertrauten Arbeit in 100km Entfernung nachgehen müssen, da mir sonst Sanktionen drohen? „Jeder, der arbeiten will, findet auch Arbeit.“ Ich würde voll gerne über eine Leiharbeitsfirma angestellt sein, so dass man mich jederzeit rausschmeißen kann, wenn ich nicht pariere. So rechtlos wie die Amazon-Schergen, das wär ein Traum.

Dass Reichtum immer ungleicher verteilt ist, ist nun wirklich ein alter Hut. „Die Reichen werden immer reicher“. Gähn! Dieser Neid immer und überall. Die Reichen halten unsere Wirtschaft am laufen. Sollen die sich mal die Hälfte des Gesamtvermögens aufteilen. Gepriesen sei das Leistungsprinzip! Wer putzt oder Haare schneidet, ist Mensch 2. Klasse. Völlig zurecht. Wir dürfen nicht den Fehler machen und höhere Löhne zahlen, denn das würde unsere Wettbewerbsfähigkeit mindern und das sollte unser gesamtgesellschaftliches Ziel sein. „Exportweltmeister“ hört sich doch schonmal geil an, aber „Lohnzurückhaltung“ wäre für das masochistische deutsche Arbeitstier eine Auszeichnung, huiuiui. Ich will ne Plakette mit Silberband und Gravur: „Ich werde scheiße bezahlt und kann kein Geld für mich arbeiten lassen. Liebt mich!“

Die Lösung ist auf jeden Fall klar: Nicht Arbeit besser entlohnen, sondern Sozialleistungen kürzen, damit die ganzen armen Schweine noch mehr gedemütigt werden, weil sie noch nicht weit genug am Rand unserer Gesellschaft stehen. Die ham eh alle keinen Bock, vor allem nicht die Schmarotzer von außerhalb, die in unsere stolze Nation, für die wir nix können, einfallen und uns die Butter vom Brot abkratzen. Es ist wichtig, dass wir den Fokus auf die Verlierer lenken und da weiterhin immer schön draufschlagen, damit ja keiner auf die Idee kommt, dass der niemals zuvor dermaßen groß gewesene Reichtum ja irgendwo angehäuft sein muss.

Obwohl nein: Halt Stopp! Es ist ja „Krise“. Und in der Krise müssen wir alle “den Gürtel enger schnallen”. So eng, dass wir uns die eigenen Eingeweide rausquetschen und das auch noch gerne tun, weil wir schließlich einsehen müssen, dass „wir über unsere Verhältnisse gelebt haben“. Und „zulasten kommender Generationen“. Ich glaube zwar kaum, dass Äckermäns Kinder und Kindeskinder Not leiden müssen, aber wenn man nur oft genug behauptet, dass Geld verschwindet, wenn man es ausgibt, plappern es schon bald alle nach.

Wie lange geht diese sogenannte Krise eigentlich noch? So lange, bis der Arbeitsmarkt ein einziger Niedriglohnsektor ist? Uhh ja, ein feuchter Traum würde wahr werden. So würden wir jedenfalls „gestärkt aus der Krise hervorgehen“, ein Ziel, auf das wir uns alle was einbilden können, während die Menschen in den Peripherieländern schon jetz im Müll nach Essbarem wühlen. Zum Glück kommt das hier erst bissl später, puh!

Wir haben kein Armutsproblem. Wir dürfen keins haben. Verfüttern wir einfach Pferdefleisch-Lasagnen an Hilfsbedürftige. Wer sich dafür zu schade ist, kann auch nicht arm sein.

*Ironie: OFF*

gefunden bei Stuttmann Karikaturen.

It’s titled

Am Mittwoch hatte ich die Ehre, im Rahmen der “It’s titled” Partyreihe in der Palomabar spielen zu dürfen. Tollerweise war der Laden ziemlich schnell ziemlich voll, was zugegebenermaßen bei der Größe des Schuppens nicht sooo schwer ist, aber trotzdem immer schön, wenn man davor bewahrt wird, in eine Runde gucken zu müssen, in der die Gäste versuchen, sich irgendwo am Rand in der Wand auflösen zu wollen anstatt zu tanzen. Danke an alle Anwesenden dafür!

Ich hab einen Teil des Sets mitgeschnitten, und tadamm, here it is:

 

Das Ding mit der Ironie

 Ich komm mal wieder mehr unter Leute. Und lege mir dabei ganz nebenbei Hausmannskills zu. Das macht mich zwar zur Lachnummer bei einigen meiner Freunde, aber dafür mutiere ich zum Traum aller Schwiegermütter. Seit einiger Zeit wohne ich einem Nähkurs der Volkshochschule bei. Wie erwartet als einziger Mann in der Runde. So richtig ernst genommen scheine ich nicht zu werden, aber die Bemerkung der Kursleiterin: „Ah, wir hatten schonmal einen Mann im Kurs, der ließ sich nach der ersten Stunde nie wieder blicken“ spornt mich nur an. Obwohl ich glaube, ich sei eine viertel Stunde zu früh dran, komme ich zur ersten Sitzung ne viertel Stunde zu spät. Ich bin sogar extra noch um den trostlosen Block spaziert, um Zeit totzuschlagen, weil ich so früh dran zu sein glaubte (Hä? Macht diese Grammatik Sinn?). Geil, einmal im Leben pünktlich sein, dachte ich, während ich durch die uninteressante Gegend laufe. Fail!

Jedenfalls komm ich da rein, und alle sitzen vor ihren Nähmaschinen und sind fleißig irgendwas am machen. Scheinbar haben alle schon Visionen von Abendrobe, Bettwäsche und Jutebeuteln. Ich hingegen dachte, man lernt da die Basics des Schneiderns und Nähens. Schließlich bin ich blutiger Anfänger, noch nicht mal nen Knopf hab ich jemals angenäht. Ich glaub zwar, dass ich das könnte. Aber ich habs halt noch nie gemacht. Und die sitzen da alle mit ihren Ikea-Starterpaketen und fummeln an irgendwas rum. Ich nehme mir auch ne Maschine aus dem Schrank und schaffe es zumindest, den Stecker in die Steckdose zu stecken (3x „stecken“ in einem einzigen Nebensatz. Brilliant!).

Die Kursleiterin erbarmt sich meiner, fädelt mir den Faden ein, den ich übrigens selber mitgebracht habe (ich bin nicht völlig unvorbereitet!) und gibt mir nen Fetzen, auf dem ich rumnähen darf. So stell ich mir ein bisschen die Bastelstunde im Haus Lebenshilfe vor, aber ok, jeder fängt mal klein an. Ich näh so ein bisschen unmotiviert auf dem Lappen rum und stelle mit einem Blick nach rechts fest, dass ich damit schon zu den Fortgeschrittenen gehöre. Denn die äußerst hübsche Teilnehmerin zu meiner rechten (Danke Gott, nicht nur Muttchen in dem Kurs!) hat große Einfädelprobleme, so dass ich gleich in die Lehrerrolle schlüpfe und ihr dank meines fotografischen Gedächtnisses den Faden durch das Gerät pule (klingt irgendwie wie eine Metapher für irgendwelchen Schweinkram. Isses aber nich!). Bähm, von jetz an soll es bergauf gehen!

Naja, nicht unbedingt stetig bergauf, es gibt auch Rückschläge zu verkraften. Die Hoffnung, dass ich für die kommenden Sitzungen ne nette Gesprächspartnerin in meinem Alter habe, die ähnlich hilflos vor den unbegrenzten Möglichkeiten der Näh- und Schneiderwelt kapituliert, wird nämlich auf dem Heimweg jäh zerstört. Wofür ich mich leider selbst verantwortlich zeichnen muss. Wir plaudern nett, alles cool, und wir kommen dahin, wie und warum wir eigentlich in dem Kurs gelandet sind. Ich sage mit ironischem Unterton (der ihr verborgen bleiben soll): „Ich bin nur hier, um zu baggern.“ Ich fand das witziger als sie, glaub ich. Jedenfalls machen sich gleich Stalker-Paranoia bei ihr breit. Wir müssen beide zur gleichen Station fahren, und als ich als ortskundiger Mensch versuche, einzugrenzen, wo sie wohnt, zieht sich bei ihr alles zusammen und sie stammelt sowas wie: „Äh, ich muss ja jetz nich alles preisgeben, ne…“ Nö, natürlich nicht. Ich bin selbst ein großer Fan von Privatsphäre. Aber zu glauben, ich sei irgendein kranker Spinner. Trifft! Mitten ins Herz! Mir war auch nie bewusst, dass ich überhaupt auch nur ansatzweise so einen Eindruck vermitteln könnte. Vielleicht hat sie aber ja auch miese Erfahrungen mit so Null-Acht-Fuffzehn-Typen wie mir gemacht. Naja, jedenfalls sucht sie sich seitdem im Kurs immer dort einen Platz, der keinen weiteren Nachbarn zulässt. Eingerahmt von harmlosen Fräuleins oder am Rand. Was lerne ich daraus? Lass das mit der Ironie lieber bleiben! Rafft nich jeder.

Jedenfalls war klar: Ohne konkretes Projekt bin ich in dem Kurs verloren. Das kleine Einmaleins des Nähens und Schneiderns wird uns jedenfalls nicht beigebracht. Das hat schon eine weitere Person in dem Kurs zur Aufgabe bewegt. Im Gespräch mit der Kursleiterin kam ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck. „Ich dachte, Sie bringen uns irgendwie Grundregeln bei. Ich bin nämlich blutige Anfängerin, wissen Sie!?“ Ich glaub, die wollte das studieren oder so. „Nee, so hab ich den Kurs eigentlich nicht konzipiert. Ihr sollt euch was überlegen und ich helf euch dabei. Ich hab das Gefühl, das macht mehr Sinn.“ – „Aha.“ Und sie ward nie wieder gesehen.

In der zweiten Stunde hab ich mich also daran gemacht, während die anderen fleißig ihre zukünftigen Kissenbezüge misshandelten, mir ne Strickjacke umzunähen. Zack! Am Ende war das Ding fertig, ich äußerst zufrieden mit meinem Werk, und die anderen hochgradig neidisch auf meinen Output. Den hab ichs ja wohl gezeigt, oder?! Nee, aber die sind auch echt alle voll nett da. No hate, no bad feelings! Ich kann sowas einfach: Abtauchen in die Welt des Kleinbürgertums und gemocht werden von seinen BewohnerInnen. Solange ich die Ironie zu Hause lasse.

Von der Schwierigkeit „Nein!“ zu sagen

Bei uns muss letztens ‘Tag der offenen Tür’ gewesen sein. Anders kann ich mir nicht erklären, warum gleich drei Gestalten innerhalb eines Tages an unserer Tür klingelten.

Eine kam von „den Holländern“, wie sie selber sagte. Es ging um Ökostrom. Mein Glück. Denn wir haben bereits vor einigen Monaten auf Ökostrom umgestellt, daher konnte ich die Dame überzeugend und mit freundlicher Leichtigkeit abwimmeln.

Die zweite Trulla kam von der Telekom. Da schrillten bei mir gleich die GEZ-Alarmglocken. Die schrillen sowieso jedesmal, wenn es unangemeldet an der Wohnungstür bimmelt. Vor allem, weil sich irgendwo tief in mir drin der Wunsch festgesetzt hat, solchen Heinis einmal die Tür aufzumachen, um sie ihnen dann schroff wieder vor der Nase zuzuknallen. Ich stelle mir das als wirklich große Genugtuung vor, da ich gegen den Laden über die Jahre einen gesunden Hass aufgebaut habe, den ich hoffe, an der richtigen Stelle einmal entladen zu können. Dass da jetz kurz vor Jahresende jemand kommt, um auch noch die letzten Schwarzseher ausfindig zu machen, ist zwar mehr als unwahrscheinlich, aber ein gewisses Maß an Misstrauen vor Leuten, die einfach so klingeln, mit einem Klemmbrett für Seriösität und nem Ausweis für Autorität in der Hand, ist nie verkehrt. Fiese Trickser gibt’s ja überall. Mir hat man z.B. grad vom „Podolski-Trick“ erzählt, der in Köln anscheinend vermehrt Anwendung findet. Irgendwelche Spacken von der Straße animieren Besoffene, mit leeren Cola-Dosen rumzukicken, um sie dann um ihre Wertgegenstände zu erleichtern. Wie das genau funktioniert und was das eine mit dem anderen zu tun hat, konnten die mir aber nicht erklären. Und dass Poldi da reingezogen wird, nur weil jemand Müll vor sich her tritt, find ich auch irgendwie unverschämt. Naja, ich war jedenfalls auf der Hut. Hab die Haustür nur so weit aufgemacht, dass ich meinen Kopf nur unter Schmerzen da durchpressen konnte. Meine grundsätzliche Abwehrhaltung sollte ich ihr damit schon vermittelt haben. Am liebsten hätt ich die Tür beim Anblick ihres magentafarbenen Ausweises eh gleich zugeballert, aber das trau ich mich dann doch nie. Und die Strategie, die die Leute gern in der U-Bahn anwenden, wenn die Fahrt mal wieder durch fragwürdige Straßenmusik oder eine Geschichte aus dem Leben eines armen Schweins bereichert wird, – sich schlafend zu stellen – , funktioniert in dem Fall leider auch nicht. Obwohl es mal einen Versuch wert wäre: Tür aufmachen, Nervenbold identifizieren, Augen zu und Schnarchgeräusche simulieren. Das probier ich mal! Nein, tu ich natürlich nicht, dafür sind die gesellschaftlich-sozialen Konventionen zu tief verankert, verdammich. Ich hab dann doch brav ihre Fragen beantwortet, kurz und knapp und weniger mit Blick auf den Wahrheitsgehalt meiner Antworten als auf ein zügiges Beenden des Verhörs. „Nee, keine Probleme mit dem Internet. Nee, kein Knacken in der Telefonleitung. Nee, alles wunderbar. Ja, gleichfalls. Tschüss!“

Die dritte Figur vor meiner Tür war von Bofrost. Vergleichsweise harmlos. Aber genau das ist das tückische daran. Man kann nicht „Nein“ sagen, weils ja irgendwie banaler Scheiß ist und der Typ mir auch ein bisschen Leid tut, durch den Schnee stapfen zu müssen, um Leuten Tiefkühlkost anzudrehen. Erst drückt er mir ein Hochglanzheftchen mit gefrorenen Köstlichkeiten aus der Convenient-Welt in die Hand, die so delikat wie in dieser Broschüre niemals mehr aussehen werden. Dann die als beiläufige Dienstleistung getarnte Frage: „Wir würde Sie dann in den nächsten Tagen anrufen und nachfragen, ob Sie was gefunden haben, wenn das in Ordnung ist?!“ – „Ähhhhhh, pff, joaaa, warum nich!?“ Ich weiß eh schon, dass niemand in meiner WG bei Bofrost bestellen würde. Ich dachte übrigens auch, die gibt’s gar nicht mehr. War mir sicher, das Verkaufsmodell, mit dem Bimmelwagen durch die Siedlung zu tuckern, sei längst gescheitert. Scheinbar nicht. Ich weiß, dass wir früher zu Hause öfters mal gefrorene Reibekuchen hatten, was ich extrem geil fand. Aber mittlerweile bin ich mehr fürs selber machen. Meine WG auch. Und wenn ich nächtens völlig hacke nach Fast Food lechze, dann hat die Frittenbude immer noch leichte Vorteile gegenüber gefrorenen Kartoffelpuffern. Aber mal anrufen können die ja ruhig, tut keinem weh. Erteile ich Ihnen die Absage halt dann. Natürlich voll überflüssig, dass es erst einer anonymen Gesprächspartnerin am anderen Ende der Leitung bedarf, damit ich mich traue zu sagen, dass ich kein Essen aus ihrem Katalog bestellen möchte. Ich hätte sogar noch die Chance gehabt, die ganze Farce vorher schon zu beenden. Der Mann an der Tür hat natürlich nen Punkt, wenn er sagt: „Dann bräuchte ich Ihre Telefonnummer…“. Mist, ja klar, der brauch natürlich meine Nummer, sonst kann da keiner anrufen. Ich diktier ihm meine Nummer, und vor jeder einzelnen Zahl denk ich: „Geb ich ihm jetz ne falsche Nummer?“ Nä, auch zu feige. Ich häng schon zu tief drin.

Zwei Tage später kommt der Anruf. Zwischen dem Rauschen und Knistern und dem hintergründigen Call Center Gebrabbel kann ich eine Stimme identifizieren: „krr pffsz knarz… bofrost, schönen guten Tag… szgtzs krzz knatter zzrztt.“ – „Ich kann Sie kaum verstehen, ich habe sehr schlechten Empfang bei mir, tut mir Leid.“ Böser Fehler. „nznznf sdjrj fhhfhs …rufen einfach später nochmal an… ddzlg shj tzshdl.“ Nä! Jetz muss ich endlich die Reißleine ziehen, denk ich und brüll ins Telefon: „Falls Sie mich hören können: Wir haben uns Ihre Broschüre angeschaut, aber konnten uns für keines Ihrer Produkte entscheiden!“ Dann die Erlösung: „ksrz poff rausch… nehmen Sie aus der Liste raus… wtzhf zisch knack.“ Das hätt ich auch einfacher haben können.