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Exklusiv: Armutsbericht inkontinent

Der Armutsbericht rotiert ja bekanntlich noch solange durch die „Ressortabstimmung“ unserer geheiligten Führer, bis er sich flockig liest. Ich weiß aber schon, was drin steht. Ich leake. Es läuft so richtig flüssig raus aus mir, es spritzt schon fast aus allen Nähten. Eigentlich weiß ja eh jeder, wie gut es uns allen „Schlechtrednern“ geht, obwohl einem die Realität geradezu permanent gegenteiliges in die Fresse klatscht.

Wir reden uns doch nur arm! In Afrika is man arm. Hier nich. Weil ich meinen Lebensstandard natürlich nicht mit dem meines Nachbarn vergleiche, sondern mit dem eines Wellblechhüttenbewohners in Somalia. Im Gegensatz zu dem geht’s mir doch gut. Wasn Glück. Und ich beschwer mich auch noch. Darf ich bitte bitte für 5 Euro brutto einer mir nicht vertrauten Arbeit in 100km Entfernung nachgehen müssen, da mir sonst Sanktionen drohen? „Jeder, der arbeiten will, findet auch Arbeit.“ Ich würde voll gerne über eine Leiharbeitsfirma angestellt sein, so dass man mich jederzeit rausschmeißen kann, wenn ich nicht pariere. So rechtlos wie die Amazon-Schergen, das wär ein Traum.

Dass Reichtum immer ungleicher verteilt ist, ist nun wirklich ein alter Hut. „Die Reichen werden immer reicher“. Gähn! Dieser Neid immer und überall. Die Reichen halten unsere Wirtschaft am laufen. Sollen die sich mal die Hälfte des Gesamtvermögens aufteilen. Gepriesen sei das Leistungsprinzip! Wer putzt oder Haare schneidet, ist Mensch 2. Klasse. Völlig zurecht. Wir dürfen nicht den Fehler machen und höhere Löhne zahlen, denn das würde unsere Wettbewerbsfähigkeit mindern und das sollte unser gesamtgesellschaftliches Ziel sein. „Exportweltmeister“ hört sich doch schonmal geil an, aber „Lohnzurückhaltung“ wäre für das masochistische deutsche Arbeitstier eine Auszeichnung, huiuiui. Ich will ne Plakette mit Silberband und Gravur: „Ich werde scheiße bezahlt und kann kein Geld für mich arbeiten lassen. Liebt mich!“

Die Lösung ist auf jeden Fall klar: Nicht Arbeit besser entlohnen, sondern Sozialleistungen kürzen, damit die ganzen armen Schweine noch mehr gedemütigt werden, weil sie noch nicht weit genug am Rand unserer Gesellschaft stehen. Die ham eh alle keinen Bock, vor allem nicht die Schmarotzer von außerhalb, die in unsere stolze Nation, für die wir nix können, einfallen und uns die Butter vom Brot abkratzen. Es ist wichtig, dass wir den Fokus auf die Verlierer lenken und da weiterhin immer schön draufschlagen, damit ja keiner auf die Idee kommt, dass der niemals zuvor dermaßen groß gewesene Reichtum ja irgendwo angehäuft sein muss.

Obwohl nein: Halt Stopp! Es ist ja „Krise“. Und in der Krise müssen wir alle “den Gürtel enger schnallen”. So eng, dass wir uns die eigenen Eingeweide rausquetschen und das auch noch gerne tun, weil wir schließlich einsehen müssen, dass „wir über unsere Verhältnisse gelebt haben“. Und „zulasten kommender Generationen“. Ich glaube zwar kaum, dass Äckermäns Kinder und Kindeskinder Not leiden müssen, aber wenn man nur oft genug behauptet, dass Geld verschwindet, wenn man es ausgibt, plappern es schon bald alle nach.

Wie lange geht diese sogenannte Krise eigentlich noch? So lange, bis der Arbeitsmarkt ein einziger Niedriglohnsektor ist? Uhh ja, ein feuchter Traum würde wahr werden. So würden wir jedenfalls „gestärkt aus der Krise hervorgehen“, ein Ziel, auf das wir uns alle was einbilden können, während die Menschen in den Peripherieländern schon jetz im Müll nach Essbarem wühlen. Zum Glück kommt das hier erst bissl später, puh!

Wir haben kein Armutsproblem. Wir dürfen keins haben. Verfüttern wir einfach Pferdefleisch-Lasagnen an Hilfsbedürftige. Wer sich dafür zu schade ist, kann auch nicht arm sein.

*Ironie: OFF*

gefunden bei Stuttmann Karikaturen.

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