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Vom Ökotum und Kampfradlern

Ich fahre mal wieder nachts mit der letzten S25 nach Hause. Ich dachte ja, die gehören nicht zusammen, im Gegenteil, dass die zotteligen Jungs in ihrem Viererabteil den buntfrisierten Mädels gegenüber irgendwie blöd kommen oder so. Aber scheinbar kennen die sich und möglicherweise geht es um eine bestimmte Band, zumindest meine ich das aus folgendem Dialog heraushören zu können.

Bursche: „Ey, was machen die denn für Mucke?“

Mädel: „So Öko-Hippie-Metal.“

Bursche: „Und welche politische Ausrichtung haben die?“

Mädel: „Hm… Öko halt!

Ich denk sofort: „Is die blöd, alda. Links oder rechts?!“ Und dann mach ich mir Gedanken, wo sich „Öko“ denn so ansiedelt im politischen Kontinuum. Klar, man könnte meinen, öko is gleich grün, also irgendwie links. Aber gleichzeitig doch mittlerweile auch total bürgerlich, überall öko und bio, wo man nur hinschaut. Und dann gibt’s da auch noch die Rechten, die aufm Land nach orientierungslosen Jugendlichen fischen und die genmanipulierten Mais in ihrer geisteskranken Logik gleichsetzen mit der Vergiftung des reinen Volkskörpers. Öko kann alles sein. Begriffe sind dazu da, um ihnen im Kontext der eigenen Perspektive neue Bedeutung zu geben.

Ich dachte auch immer, Radeln sei ne spitzenmäßige Sache. Als überzeugter Radfahrer hab ich mir eingebildet, die Umwelt zu entlasten, die Stadt ein bisschen weniger zu verstopfen und den Aggressionen zu entkommen, die irgendwie zwangsläufig jeden Autofahrer und jede Autofahrerin im Stadtverkehr irgendwann ereilen muss. Wir sind die Guten, hab ich immer gedacht.

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Zack Bäng, nix da! „Kampfradler“ alle miteinander! Fußgänger fürchten um ihr Leben, wenn die Rabauken wie die tasmanischen Teufel über die Bürgersteige fetzen. Wenn ich so vom gemeinen „Kampfradler“ höre oder lese, stell ich mir immer kriegsbemalte Durchgeknallte vor, die so braveheart-gladiator-mäßig nichts mehr zu verlieren haben, und mit ihrem panzerartigen Gerät á la Platz des himmlichen Friedens von hinten wehrlose Fußgängerzwerge überrollen. Und dann hinterher brüllen: „Pass doch auuuuf, du!“, um anschließend ihren Pfad der Zerstörung unter Gejohle fortzusetzen. Wenn du die Klingel hörst, ist es schon zu spät und du wirst gnadenlos niedergemäht.

Letztens erst wär ich fast in die Fahrertür eines parkenden Autos gekracht, die so ein Otto achtlos aufgerissen hatte, als ich gerade vorbeiradeln wollte. Die Schuld ist selbstverständlich beim Kampfradler zu suchen, worauf er mich auch dankbarerweise entschlossen hinweist: „Guck doch, wo du hinfährst!“ Ja klar, ich muss mich entschuldigen, denn natürlich schau ich ab sofort vor jedem Auto, das ich passieren will, ob nicht zufälligerweise jemand gerade in dem Moment aussteigen will. Ich rücksichtsloser Halunke, ich. Aber gut, er macht ja im Grunde nur von der Grundregel Nr. 1 des Straßenverkehrs Gebrauch: Schuld sind immer die Anderen.

Jedenfalls weiß ich neuerdings: Radfahrer sind auch böse und öko ist irgendwie alles. Wieder eine Graustufe mehr in meiner Welt, die ich doch so gern schwarz-weiß hätte.

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4 responses »

  1. Na ja, wenn man den richtigen Abstand einhält, dann ist auch eine sich öffnende Fahrertür kein Problem – also schon irgendwie Deine Schuld 😉

    Reply
  2. Na ja, bei genügend Abstand zu den parkenden Autos (1,20-1,50m) kann sich auch die Tür öffnen. Vor Gericht würdest Du ohne diesem Sicherheitsabstand eine Mitschuld zugesprochen bekommen.

    Reply
    • krass, stimmt, hätt ich nicht gedacht. wenn du mit 1,50m sicherheitsabstand durch berlin radelst, blockierste ja fast die gesamte fahrbahn.

      Reply
      • Nö, etwas blockieren tun Autos die auf dem Radweg oder in zweiter Reihe parken. Blockieren tun zu viel Autos die einen Stau verursachen. Radfahrer bewegen sich mit fast der gleichen Durchschnittsgeschwindigkeit die Autos in einer Grossstadt wie Berlin erreichen. Wenn die Müllabfuhr unterwegs ist oder jemand anders grade einparkt wird das auch hingenommen. Warum ist ein Radfahrer dann eine Blockade? Nein, Fahrräder sind Verkehr und eine Entlastung für diesen.

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